{"id":722,"date":"2020-04-17T10:18:00","date_gmt":"2020-04-17T08:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/?p=722"},"modified":"2020-04-18T10:40:26","modified_gmt":"2020-04-18T08:40:26","slug":"wirkungen-von-yoga","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/2020\/04\/17\/wirkungen-von-yoga\/","title":{"rendered":"Wirkungen von Yoga"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Newsletter 17.4.2020<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Wirkungen von Yoga<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eSchatz, bevor wir weiter reden, mach erst mal Yoga!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser s\u00fc\u00df-s\u00e4uerliche Satz, w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung gesprochen,<\/p>\n\n\n\n<p>zeigt die Ambivalenz von Wirkungen, die dem Yoga zugesprochenwerden.<br>Vielleicht m\u00f6chte der&nbsp; Sprecher eine ganz andere Wirkung bei<br>seiner angesprochenen Person sehen als diese selbst vom Yoga.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht kann oder will der Yoga diese Wirkung gar nicht hervorbringen.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4lteren Yogab\u00fcchern findet man manchmal Hinweise auf Wirkungen einzelner Haltungen<br>(Sanskrit: asanas), etwa die Haltung XY helfe gegen xyz.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider entsprangen solche Behauptungen eher einer Wunschvorstellung<br>und hielten medizinischen \u00dcberpr\u00fcfungen nicht stand.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Zweifellos wirkt eine \u00dcbungspraxis. Aber stellt sich auch die gew\u00fcnschte oder ben\u00f6tigte Wirkung<br>ein, oder verst\u00e4rkt sie lediglich vorhandene mentale und k\u00f6rperliche Strukturen?<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4gt die \u00dcbungspraxis zur Heilung bei, oder intensiviert sie m\u00f6glicherweise sogar vorhandene Leiden?<br><br>Die Wirkung einer Yoga-\u00dcbungspraxis entspringt einem Geflecht vielf\u00e4ltiger Bedingungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ausgef\u00fchrte Haltung oder Bewegung ist nur ein Faktor unter vielen<br>und vielleicht nicht einmal der entscheidende.<br><br>Schauen wir uns zun\u00e4chst die Rahmenbedingungen an,<\/p>\n\n\n\n<p>die Vorbedingungen, die hilfreich sind und<br>nicht unwesentlich zur Heilwirkung der \u00dcbungspraxis beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Der wichtigste Schritt ist bereits unternommen, wenn ich den Entschluss fasse, etwas f\u00fcr mich zu<br>tun, mir Zeit f\u00fcr mich zu nehmen, um zum Beispiel einige Yoga\u00fcbungen auszuf\u00fchren, und wenn ich<br>dann diesen Entschluss auch umsetze. (\u201eEs gibt nichts Gutes \u2013 au\u00dfer man tut es.\u201c Erich K\u00e4stner)<\/p>\n\n\n\n<p><br>Daf\u00fcr brauche ich einen ruhigen und sauberen Platz mit frischer Luft, auf dem ich \u00fcbe. Der gro\u00df<br>genug ist, dass ich meine Bewegungen ausf\u00fchren kann. Vielleicht beginnt die Heilung bereits damit,<br>dass ich mir einen eigenen Raum verschaffe, der nur f\u00fcr mich ist, und wenn er nur aus einer Nische<br>besteht. Aber es ist mein Platz. Und den gestalte ich mir so, dass ich mich dort wohlf\u00fchle. Was hilft<br>mir dabei? Vielleicht eine Kerze, eine Blume oder ein Bild oder ein Platz ganz frei von<br>irgendwelchen Ablenkungen?<\/p>\n\n\n\n<p>Angenehm ist auch eine rutschfeste Unterlage, eine h\u00fcbsche Decke<br>oder ein Teppich beispielsweise. Auf den ich mich auch hinlegen kann, um mich auszuruhen.<br>Dieser Platz bleibt dann im besten Fall \u00fcber die \u00dcbungszeit hinaus erhalten, oder ich schaffe ihn<br>mir vor jedem \u00dcben neu.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Dazu geh\u00f6rt auch, einen Zeitrahmen abzustecken, innerhalb dessen ich ungest\u00f6rt \u00fcben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Telefon, keine Kinder &#8211; sie lernen zu akzeptieren,<\/p>\n\n\n\n<p>dass ich f\u00fcr diesen Zeitraum ungest\u00f6rt bleiben will.<br><br>Nun beginnt die eigentliche Praxis.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lasse mich auf diesem Platz nieder und ziehe in Gedanken<br>oder in der Tat einen Schutzkreis um diesen Platz. Damit schirme ich mich von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen<br>ab, die f\u00fcr diese Zeit unerw\u00fcnscht sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend wende ich mich an h\u00f6here Kr\u00e4fte mit der Bitte, mich zu unterst\u00fctzen.<br>Diese Kr\u00e4fte k\u00f6nnen Schutzengel sein, die Kraft der Natur von Mutter Erde,<br>Gott, andere unterst\u00fctzende Kr\u00e4fte wie zum Beispiel spirituelle Lehrer,<\/p>\n\n\n\n<p>oder ich richte die Bitte unadressiert einfach in den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Viele von uns haben bereits selbst erlebt, dass sie in<br>besonderen Situationen, in Gefahrensituationen etwa, unerwartet unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind \u201evon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen&#8230;\u201c (Dietrich Bonhoeffer).<br>Und es hilft, wenn man sie umUnterst\u00fctzung bittet, aber sie wollen eingeladen werden.<br>Dies ist der tiefere Sinn von Beten. Eine Zwiesprache herzustellen mit der Dimension, die gr\u00f6\u00dfer ist als wir selbst.<br><br>Jetzt kann eine rituelle Praxis beginnen, rituell deshalb, weil sie eingebettet ist in einen<br>\u00fcberindividuellen Zusammenhang und bewusst ausgef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In manchen Kulturen folgt ein Gebet und dazu eine Kontemplation;<\/p>\n\n\n\n<p>andere Kulturen reisen mit einem Krafttier zu den Quellen des Lebens.<br>Im Yoga stellt der eigene Leib einen Tempel dar, den ich liebevoll pflege<br>und ihn als Gef\u00e4\u00df f\u00fcr eine h\u00f6here Kraft, die in mir wirkt, verstehe und, noch<br>wichtiger, erlebe. Diese h\u00f6here Kraft kann einfach \u201enur\u201c die Lebenskraft sein, sie kann je nach<br>religi\u00f6ser Ausrichtung z.B. auch Gott sein.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Aber im Yoga geht es darum, dass ich diese Kraft erlebe. Deshalb richte ich meine Aufmerksamkeit<br>mit Hilfe unseres inneren Gesp\u00fcrs auf die Lebensprozesse in mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sp\u00fcre ich am Anfang meiner \u00dcbungspraxis \u00fcberhaupt nichts.<br>Aber es geht um das Bem\u00fchen, um die Aufmerksamkeit, die<br>ich mir und den Vorg\u00e4ngen in mir widme.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter, mit fortgeschrittener \u00dcbungspraxis, lenke ich die<br>Aufmerksamkeit nicht nur auf die Prozesse in mir, sondern auch auf das Geschehen um mich herum<br>und auf die Wechselwirkung zwischen dem \u00c4u\u00dferen und meinem inneren Geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kann ich mich eingebettet f\u00fchlen in den Strom des Lebens,<br>kann erleben, wie es in mir pulsiert, kribbelt,<br>warm wird oder weit, oder was sonst noch alles in mir geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kann ich erleben, wie ich mich in st\u00e4ndigem Austausch mit meiner Umwelt befinde,<br>zum Beispiel indem ich atme, Luft von au\u00dfen einziehe<br>und meine verbrauchte Luft wieder nach au\u00dfen abgebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann diesen Austausch auch als \u201eempfangen\u201c und \u201egestalten\u201c erleben;<br>ich empfange oder verleibe mir die Au\u00dfenwelt ein<br>z.B. durch Nahrung oder Musik oder Gespr\u00e4che und gestalte sie durch meine \u00c4u\u00dferungen, durch<br>mein Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Mittel meiner \u00dcbungspraxis k\u00f6nnen sehr vielgestaltig sein,<\/p>\n\n\n\n<p>im k\u00f6rperorientierten Yoga spielen<br>K\u00f6rperhaltungen und -bewegungen eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind Werkzeuge, nicht Selbstzweck.<br>Werkzeuge, um meinen Organismus zu pflegen, zu reinigen und zu kr\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Werkzeuge, um mich<br>zu f\u00fchlen, um mich&nbsp; selbst zu erleben, und um mit dieser F\u00e4higkeit des F\u00fchlens auch die Menschen und<br>Lebewesen um mich herum zu f\u00fchlen, mit ihnen zu f\u00fchlen, wie es ihnen geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Werkzeuge, umgezielt Kontakt aufnehmen zu k\u00f6nnen<br>oder auch abbrechen zu k\u00f6nnen, je nach dem, wie es mir in<br>diesem Moment angemessen erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Entscheidend f\u00fcr die Wirkung einer Yoga-Praxis ist also nicht nur, welche \u00dcbungen ich ausf\u00fchre,<br>sondern vor allem auch die Art und Weise, <em>wie <\/em>ich die \u00dcbungen ausf\u00fchre, und dazu geh\u00f6rt auch,<br><em>wie ich die Rahmenbedingungen gestalte<\/em>. Wichtig: <em>die Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen zu mir passen!<\/em><br>Ich schaffe einen geeigneten Rahmen f\u00fcr meine Yoga-Praxis.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss l\u00f6se ich diesen Rahmen wieder auf,<br>indem ich meine Praxis mit einem kurzen Dank beende und danach den Schutzkreis<br>wieder aufl\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Vor allem f\u00fcr Yoga-\u00dcbende, die noch nicht so lange ihre Praxis ausf\u00fchren, ist es hilfreich, wenn sie<br>ihre Praxis regelm\u00e4\u00dfig und zur selben Uhrzeit und am selben Ort ausf\u00fchren. Dies strukturiert den<br>Alltag neu. Au\u00dferdem l\u00e4dt sich der Ort gewisserma\u00dfen mit den Erfahrungen w\u00e4hrend der Yoga-<br>Praxis auf und hilft meinem Organismus, wenn ich den Ort aufsuche, sich wieder an den Zustand<br>w\u00e4hrend des Yoga-\u00dcbens zu erinnern. Auf diese Weise kann es leichter gelingen, sich aus dem<br>Alltag zur\u00fcck zu ziehen und in die besondere Atmosph\u00e4re des Yoga einzutauchen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich Euch viel Freude beim \u00dcben.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ulrich Fritsch, 17.4.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Newsletter 17.4.2020 Die Wirkungen von Yoga \u201eSchatz, bevor wir weiter reden, mach erst mal Yoga!\u201c Dieser s\u00fc\u00df-s\u00e4uerliche Satz, w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung gesprochen, zeigt die Ambivalenz von Wirkungen, die dem Yoga zugesprochenwerden.Vielleicht m\u00f6chte der&nbsp; Sprecher eine ganz andere Wirkung beiseiner angesprochenen Person sehen als diese selbst vom Yoga. 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