{"id":507,"date":"2017-07-07T14:13:09","date_gmt":"2017-07-07T12:13:09","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/?p=507"},"modified":"2017-08-03T14:06:01","modified_gmt":"2017-08-03T12:06:01","slug":"gemeinwohlyoga-und-selbststererung-die-grundlagen-der-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/2017\/07\/07\/gemeinwohlyoga-und-selbststererung-die-grundlagen-der-freiheit\/","title":{"rendered":"GEMEINWOHLYOGA UND SELBSTSTEUERUNG &#8211; DIE GRUNDLAGEN DER FREIHEIT"},"content":{"rendered":"<p><b>DIE GRUNDLAGEN DER FREIHEIT<\/b> \u2013 Gemeinwohlyoga und Selbststeuerung<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">ver\u00f6ffentlicht im Deutschen Yoga-Forum Heft 3, Juni 2017<\/span><\/p>\n<p align=\"right\">\u201e<span style=\"font-size: small;\"><i>Ein fallender Baum ist lauter<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>als ein wachsender Wald.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>(Tibetisches Sprichwort)<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Die Mauern im Kopf <\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Tear down this wall!\u201c<\/i> Diesen ber\u00fchmten Satz von Ronald Reagan richten die Dresdener Sinfoniker an dessen Pr\u00e4sidentschaftsnachfolger Donald Trump. Gemeinsam mit mexikanischen und US-amerikanischen Musikern werden sie am 3.Juni 2017 auf beiden Seiten der Grenze zwischen Mexiko und den USA ein Konzert geben. Damit wollen sie ein Signal setzen gegen Abgrenzung, Fanatismus und Nationalismus, gegen die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko und gegen die Mauern im Kopf.- <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Es gibt viele Beispiele, wie die Mauern im Kopf \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Nicht nur in spontanen Aktionen, wie zum Beispiel die zahlreichen Fu\u00dfball-Fans des BVB aus Dortmund, die die Anh\u00e4nger der gegnerischen Mannschaft aus Monaco zu sich nach Hause eingeladen haben, nachdem das geplante Champions-League Spiel wegen des Bombenanschlags auf den Mannschaftsbus des Dortmunder Teams erst am n\u00e4chsten Tag stattfinden konnte, oder der \u201esafety check\u201c bei Facebook, sondern auch das Engagement vieler Menschen in langfristig angelegter Arbeit. Sie alle sind Ausdruck einer globalen Zivilgesellschaft, die sich f\u00fcr eine menschlichere Welt, f\u00fcr das Gemeinwohl einsetzen. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Ich bin der andere, der andere ist ich \u2013 diese einfache Feststellung ist der Motor des zivilgesellschaftlichen Aufstandes\u201c<\/i>, antwortete Jean Ziegler, Vizepr\u00e4sident des Beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrates in einem Interview auf die Frage, wie die Zivilgesellschaft die reichen Staaten davon \u00fcberzeugen kann, ihren humanit\u00e4ren Verpflichtungen angesichts von Hunger und Not in der Welt nachzukommen. Auch wenn ich einen Aufstand im revolution\u00e4ren Sinne zur Zeit nicht erkennen kann, stimme ich Ziegler in seiner Grundthese zu. Es sind die vielen einzelnen Menschen, die sich f\u00fcr das Wohl anderer Menschen engagieren und nicht nur ihren eigenen Vorteil im Kopf haben, die etwas bewegen, die den Wald wachsen lassen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Gemeinwohl<\/b><b>Yoga ist <\/b><b>das Bewusstwerden von <\/b><b>Verbindung<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Viele Yoga-Lehrenden unterrichten einen Yoga, der die Teilnehmenden zu sich selbst f\u00fchrt und ihnen erlebbar macht, dass wir alle miteinander verbunden sind. <i>\u201eTat Tvam Asi \u2013 Das bist Du\u201c<\/i>, diese ber\u00fchmte Verk\u00fcndigung aus der Chandogya-Upanishad, wies schon vor 2500 Jahren den Weg zur Befreiung aus den Verstrickungen unseres Geistes und aus unserer Hartherzigkeit. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Auch in der Katha-Upanishad III 3-6 aus dem 5.Jahrhundert v.Chr., wurde Yoga als Verbindung verstanden. Hier finden wir f\u00fcr Yoga die Metapher des Wagenlenkers. Unser g\u00f6ttlicher Wesenskern wird als Herr des Wagens und unser K\u00f6rper als Wagen beschrieben, das Gewahrsein ist der Wagenlenker und das Denken sind die Z\u00fcgel. Die Sinne und Begierden vergleicht man mit den Pferden und die Sinnesobjekte sind ihre Bahn. Wer aber Denken und F\u00fchlen verbunden hat, wer also achtsam und sich seiner Situation gewahr ist, dessen Sinne sind gef\u00fcgig wie gute Pferde ihrem Lenker.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Verbindung geschieht also auf verschiedenen Ebenen: Verbindung mit sich selbst, seinem K\u00f6rper und mit dem ureigensten g\u00f6ttlichen Wesenskern, Verbindung mit allen Menschen und mit allen Lebewesen in der Welt. Also: eine tiefe Verbindung mit allen Energieformen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Es geht also darum, m\u00f6glichst pr\u00e4sent, wach und offen f\u00fcr das zu sein, was mir im Alltag begegnet und wie man darauf reagiert. Das bedeutet ebenso, sich die Folgen seines Handelns so weit wie m\u00f6glich klar zu machen und Verantwortung daf\u00fcr zu \u00fcbernehmen. In diesem Sinn ist GemeinwohlYoga keine neue Marke, sondern betont die Verbindung als Grundlage der Befreiung, die den tiefen spirituellen Sinn des Yoga ausmacht.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr manche Menschen scheint das Bild des Wagenlenkers eingefroren, statisch zu sein. Der Wagen rast aber durch die Welt, er steht nicht still. Wir m\u00fcssen uns den Herausforderungen unserer Lebensumst\u00e4nde stellen. Wir m\u00fcssen die Folgen unseres Lebensstils erkennen und die Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernehmen, anstatt die Augen vor den Folgen in der Welt zu verschlie\u00dfen und beispielsweise die Grenzen um Europa herum dicht zu machen. Unsere \u00e4u\u00dfere Freiheit wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in der Auseinandersetzung mit den B\u00e4nkern in Frankfurt und den Politikern in Berlin und Br\u00fcssel. Der fortschreitende Prozess der Globalisierung zeigt uns auf wirtschaftlicher Ebene, wie wir alle miteinander verbunden sind \u2013 hier leider oft nur in seiner pervertierten Form als gegenseitige Konkurrenten. Die innere Freiheit wird errungen durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Trotzdem leben wir noch immer in der Vorstellung, wir seien eigenst\u00e4ndige, voneinander getrennte Wesen. <i>\u201eIch denke, also bin ich<\/i>\u201c, begr\u00fcndete der franz\u00f6sische Philosoph Descartes im 17.Jahrhundert die eigene Erkenntnisf\u00e4higkeit. Dabei verga\u00df er nicht nur, dass wir auch und vor allem f\u00fchlende Wesen sind. Vor allem unterstellte er ein Denken, das getrennt von anderen Gehirnen denkt und nahm an, dass das einen Menschen als eigenst\u00e4ndiges Wesen ausmacht. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Neurobiologisch ist das Selbst- und Weltbild Descartes heute eindeutig widerlegt. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass unser Gehirn ein soziales Produkt ist. Der Neurobiologe Gerald H\u00fcther nennt es ein \u201aSozialorgan\u2018 und schreibt aus entwicklungsbezogener Perspektive davon, <i>\u201edass menschliche Gehirne Organe sind, die ausschlie\u00dflich in einem Netzwerk von anderen Gehirnen \u00fcberlebens- und entwicklungsf\u00e4hig sind. Gehirne kommen deshalb strenggenommen im Singular gar nicht vor\u201c<\/i>. Gehirne entwickeln sich durch Lernprozesse, in denen Energiewellen verarbeitet werden, die wir \u201aInformationen\u2018 nennen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Als Baby und als Kleinkind vollziehen wir unbewusst diese Lernprozesse, wenn wir uns aus der Symbiose mit der Mutter l\u00f6sen und unsere Pers\u00f6nlichkeit entwickeln. Ein Denken, das sich getrennt von anderen Menschen erlebt, steckt noch in diesem Abl\u00f6sungsprozess. Erst wenn wir ein stabiles Ich ausgebildet haben, das gelernt hat sich selbst zu kontrollieren und das auf Reize auch mit Aufschub oder gar Verzicht reagieren kann, ist die Voraussetzung f\u00fcr den n\u00e4chsten Entwicklungsschritt gegeben. Dann k\u00f6nnen wir erkennen, dass wir alle miteinander verbunden sind.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir alle haben das Potenzial dazu, diese wechselseitigen Verbindungen aller Lebewesen und aller Energieformen bewusst zu erleben und unser Leben auf dieser Basis zu gestalten.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Selbststeuerung: Leben gegen den Strom<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Selbststeuerung ist ganzheitliche Selbstf\u00fcrsorge und besteht in der Kunst, auf Impulse differenziert reagieren zu k\u00f6nnen. Sie besteht in der F\u00e4higkeit, einem Impuls sowohl unmittelbar nachgeben zu k\u00f6nnen als auch in der Lage zu sein ihn zu kontrollieren und zwischen beiden ein ausbalanciertes Verh\u00e4ltnis herzustellen. Diese F\u00e4higkeit muss gelernt werden.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Entwicklung des menschlichen Gehirns wird heute sehr stark gest\u00f6rt, z.B. bereits im fr\u00fchen Kindesalter durch Vernachl\u00e4ssigung, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, aber auch im Erwachsenenalter.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Wir beobachten das Gef\u00fchl, der Einzelne sei unwichtig geworden\u201c<\/i>, antwortete Klaus M\u00fcller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands in einem Interview auf die Frage, woher denn das Misstrauen komme, das derzeit an so vielen Orten und in so vielen Debatten anzutreffen ist. M\u00fcller setzt sich daf\u00fcr ein, dass sich Verbraucher sicher und ernst genommen f\u00fchlen und fordert dazu entsprechende Gesetze. Dabei l\u00e4sst er au\u00dfer acht, dass das Problem aber auf einer viel tieferen Ebene liegt, n\u00e4mlich wie unsere Erfahrungen unser Denken und F\u00fchlen pr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">In der Konsumwelt spiegeln sich Entt\u00e4uschungen und ein Ohnmachtsgef\u00fchle lediglich wider. Unser Konsumverhalten wird oftmals gesteuert von einer fehlgeleitete Bed\u00fcrfnisbefriedigung, die zudem h\u00e4ufig mit einer eingeschr\u00e4nkten F\u00e4higkeit zur Selbstkontrolle einhergeht. Wesentlich verst\u00e4rkt werden diese Gef\u00fchle vor allem durch Dauerstress, finanzielle und existenzielle Sorgen sowie durch die zunehmende Aufl\u00f6sung Halt gebender sozialer Strukturen.<sup><br \/>\n<\/sup><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir wissen, dass ungez\u00fcgeltes Konsumverhalten selten unsere wirklichen Bed\u00fcrfnisse befriedigt. Die biologisch verankerten Grundbed\u00fcrfnisse wie gute Nahrung, ausreichend Schlaf- und Erholungsphasen, gen\u00fcgend Bewegung, soziale Verbundenheit und k\u00f6rperliche Z\u00e4rtlichkeit einschlie\u00dflich Sexualit\u00e4t bleiben oft unbefriedigt, ebenso viele kulturellen Bed\u00fcrfnisse. Statt dessen werden sie durch krank machende Nahrung, zu viel S\u00fc\u00dfigkeiten, zu hohem Fleischkonsum, Alkohol-, Medikamenten- oder anderem Drogenkonsum sowie zu hohen Medienkonsum abgef\u00fcttert. Es entsteht eine Spirale von Unzufriedenheit und Ersatzbefriedigung, die f\u00fcr immer mehr Menschen suchtartigen Charakter annimmt. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Doch nicht nur das kompensatorische Verhalten hindert Menschen daran, sich gegen die krank machenden Verh\u00e4ltnisse aufzulehnen. Dieses Verhalten schw\u00e4cht die F\u00e4higkeit zur Selbstkontrolle oder setzt sie sogar ganz au\u00dfer Kraft. Der Hirnforscher Joachim Bauer hat nachgewiesen, dass diese ungeeigneten Ersatzangebote den Pr\u00e4frontalen Cortex einschl\u00e4fern, das ist der Bereich im Gehirn, der f\u00fcr die Selbstkontrolle zust\u00e4ndig ist. Das bedeutet: wir fressen uns dumm und unm\u00fcndig. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Doch anstatt die Ursachen des Stresses \u2013 die krankmachenden Arbeits- und Lebensbedingungen, zu ver\u00e4ndern, fl\u00fcchten sich viele Menschen in gesundheitssch\u00e4dliche Ersatzbefriedigungen. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber wir sind nicht willenlos und k\u00f6nnen uns jederzeit aus dem Teufelskreis befreien, wenn wir es wollen. Es gibt viele Menschen, die sich ohne fremde Hilfe kraft ihres Willens aus suchtartigem Verhalten befreit haben. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ein Mensch, der sich selbst gut steuern kann, hat gelernt, nicht unbedingt das Naheliegende, Bequeme oder Konventionelle zu tun, sondern auch zugunsten eines l\u00e4ngerfristigen Ziels (eventuell kurzfristigen) Verzicht zu leisten und ungewohnte Schritte zu gehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieses Abw\u00e4gen ist allerdings nicht einfach, wie wir alle wissen, denn unsere Wahrnehmung ist durch falsche Vorstellungen von uns und der Welt getr\u00fcbt, und unser Geist ist allzu h\u00e4ufig sehr unruhig. Dies hat schon die Yogis und Yoginis vor zweieinhalb tausend Jahren besch\u00e4ftigt; heute wird diese Unklarheit noch verst\u00e4rkt durch die allgegenw\u00e4rtigen Angebote zu mehr Bequemlichkeit und einer Lebensweise, die nur noch ihren Sinn in Konsum zu finden glaubt sowie die Ablenkung durch die neuen Medien. Als Folge tritt eine tiefgreifende Ersch\u00f6pfung ein. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese Ersch\u00f6pfung sp\u00fcren wir auch bei unseren Yoga-KursteilnehmerInnen. Immer mehr Menschen kommen heute zu uns, weil sie unter Burn-out leiden. Sie ben\u00f6tigen mehr als nur Entspannung. Sie suchen Unterst\u00fctzung auf dem Weg zu einem ges\u00fcnderen Lebensstil, der ihren Bed\u00fcrfnisse entspricht. Viele suchen wieder die Verbindung mit sich und mit der g\u00f6ttlichen Kraft. Mit einem Yoga-Unterricht, der die TeilnehmerInnen ermutigt, sich wieder zu sp\u00fcren, ihre Gef\u00fchle ernst zu nehmen und ihre tiefliegenden Bed\u00fcrfnisse zu erkennen, geben wir ihnen ihre Handlungsf\u00e4higkeit zur\u00fcck und f\u00f6rdern ihre Selbstst\u00e4ndigkeit. Wie kann das im Yoga-Unterricht gelingen?<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir lernen, einen freien Willen zu entwickeln, indem wir mehrere F\u00e4higkeiten ein\u00fcben: Ziele zu setzen, Handlungen zu planen, konzentriert bei der Sache zu bleiben, unsere Aufmerksamkeit zu steuern und mehrere aktuell relevante Dinge gleichzeitig im Bewusstsein pr\u00e4sent zu halten. <i>\u201eDiese F\u00e4higkeiten, die (\u2026) exekutiven Funktionen, sind die entscheidenden Werkzeuge des freien Willens. Ihr neurobiologischer Werkzeugkasten ist der Pr\u00e4frontale Cortex. Ein besonders \u00fcbler Saboteur der freien Willensentscheidung ist die fehlende Impulskontrolle. Wer auf jeden Reiz reagieren muss, auf jede Provokation in Zorn ger\u00e4t und keiner Versuchung widerstehen kann, dessen Verhalten ist auf Reiz-Reaktionsabl\u00e4ufe reduziert\u201c,<\/i> betont Bauer. Ein solcher Mensch ist leicht zu manipulieren. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Mit Yoga k\u00f6nnen wir die F\u00e4higkeiten zur Selbststeuerung ein\u00fcben. Ich m\u00f6chte an einigen Beispielen aus dem reichhaltigen Repertoire des Yoga zeigen, wie diese exekutiven Funktionen im Yoga-Unterricht trainiert werden k\u00f6nnen. Wenn wir die Yoga-\u00dcbenden anhalten, vor der k\u00f6rperlichen Ausf\u00fchrung einzelne Yoga-Abl\u00e4ufe zu visualisieren, st\u00e4rken sie ihre Konzentrationsf\u00e4higkeit und ihre F\u00e4higkeit zu planen. Komplexere Bewegungsabl\u00e4ufe helfen, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Wenn wir Hinweise geben, worauf die Yoga-\u00dcbenden ihre Aufmerksamkeit lenken sollen, beispielsweise auf das Flie\u00dfen der Atemluft in den Naseng\u00e4ngen oder die Bewegung des Atmens im Brustkorb, so k\u00f6nnen sie lernen, ihre Aufmerksamkeit zu steuern, anstatt sich immer wieder von \u00e4u\u00dferen Reizeinfl\u00fcssen ablenken zu lassen. Wenn wir unsere Sch\u00fclerInnen anhalten, die K\u00f6rperbewegungen untereinander und mit ihrem Atmen zu koordinieren, so lernen sie mehrere aktuell relevante Dinge gleichzeitig im Bewusstsein pr\u00e4sent zu halten, anstatt sich von ihrem Ziel abbringen zu lassen. Entspannende Abl\u00e4ufe, zum Beispiel durch die Verl\u00e4ngerung des Ausatmens, helfen Stress abzubauen. Durch das sinnvoll geplante Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung und dazu geh\u00f6rige ausgleichende \u00dcbungen k\u00f6nnen wir unseren Organismus trainieren, flexibel auf Stresssituationen zu reagieren und wieder zu entspannen, wenn die Anforderung vorbei ist. Dar\u00fcber hinaus gibt es zahlreiche \u00dcbungen, um K\u00f6rper und Geist zu reinigen und vielf\u00e4ltige Meditations\u00fcbungen, um sich wieder zu zentrieren, geistig und emotional klar zu werden. Aber die wichtigste F\u00e4higkeit besteht darin, die Verbindung mit dem eigenen g\u00f6ttlichen Wesenskern, die Verbundenheit mit allen Lebewesen und mit der Geistigen Welt zu sp\u00fcren. Sie schlie\u00dft alle anderen Kompetenzen ein. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ein Yoga-Unterricht, der diese F\u00e4higkeiten ein\u00fcben hilft, tr\u00e4gt wesentlich zu einer menschlicheren Welt und einem liebevolleren und gerechteren Miteinander bei.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Sei du selbst die Ver\u00e4nderung, die du dir in der Welt w\u00fcnschst.\u201c (Mahatma Gandhi)<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ulrich Fritsch, <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Politik- und Geisteswissenschaftler, Referent, Yogalehrer BDY\/EYU<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeinwohlyoga.de\/\">www.gemeinwohlyoga.de<\/a><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Lich 2.5.2017<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Lesetipps: Joachim Bauer, Selbststeuerung, <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Gerald H\u00fcther, Was wir sind und was wir sein k\u00f6nnten<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE GRUNDLAGEN DER FREIHEIT \u2013 Gemeinwohlyoga und Selbststeuerung ver\u00f6ffentlicht im Deutschen Yoga-Forum Heft 3, Juni 2017 \u201eEin fallender Baum ist lauter als ein wachsender Wald.\u201c (Tibetisches Sprichwort) Die Mauern im Kopf \u201eTear down this wall!\u201c Diesen ber\u00fchmten Satz von Ronald Reagan richten die Dresdener Sinfoniker an dessen Pr\u00e4sidentschaftsnachfolger Donald Trump.&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507"}],"collection":[{"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=507"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":533,"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions\/533"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}