{"id":137,"date":"2016-05-07T22:32:59","date_gmt":"2016-05-07T20:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/?page_id=137"},"modified":"2025-09-15T20:21:35","modified_gmt":"2025-09-15T18:21:35","slug":"artikel","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/index.php\/veroeffentlichungen\/artikel\/","title":{"rendered":"Artikel"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n<ul>\n<li>\n<h1>Artikelreihe: Yoga und Gesellschaft<\/h1>\n<h1><strong>Teil 7: Was tun?<\/strong><\/h1>\n<h1>&nbsp;<\/h1>\n<p class=\"western\" align=\"left\">(ver\u00f6ffentlicht in DYF Heft 3\/2025)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<\/p><p class=\"western\" align=\"left\">Yoga und gesellschaftspolitisches Engagement scheinen sich zu widersprechen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Tats\u00e4chlich fand in den 1970er und 1980er Jahren in Westdeutschland, als die Protestbewegung der Studierenden und der Sch\u00fclerInnen abebbte, eine folgenschwere Trennung bei den Aktiven statt. Ein Teil der politisierten Menschen suchte ihr Heil in autorit\u00e4r strukturierten Kleinstparteien oder religi\u00f6sen Sekten, manche folgten einem Guru nach Indien<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a>, andere engagierten sich in neuen sozialen Bewegungen wie der Anti-Atomkraft-, der Umwelt- und der Friedensbewegung. Ein nicht unerheblicher Teil der Aktiven suchte nach nicht-autorit\u00e4ren, emanzipativen Formen des gesellschaftlichen Engagements. Sie hatten erkannt, dass sie auch sich selbst ver\u00e4ndern m\u00fcssen, um ver\u00e4ndernd wirken zu k\u00f6nnen und machten Therapien, besch\u00e4ftigten sich mit spirituellen \u00dcbungswegen wie dem Yoga und engagierten sich z.B. in der Frauenbewegung und in der Alternativbewegung.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Aber viele der politisch engagierten Menschen hatten f\u00fcr den Weg nach innen wenig Verst\u00e4ndnis. Sie erlebten, wie sich zahlreiche ihrer fr\u00fcheren MitstreiterInnen durch ihre Therapien und mit ihren Yoga-\u00dcbungen ins Private zur\u00fcckzogen. Meditieren bel\u00e4chelten sie als Bauchnabelschau, Yoga-\u00dcben kritisierten sie als Anpassung. \u00dcberschneidungen innerhalb der verschiedenen Aufsplitterungen der Protestbewegung gab es zwar, aber ein Austausch zwischen den verschiedenen Wegen war selten.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Heute breitet sich allm\u00e4hlich die Erkenntnis aus, dass man sowohl gesellschaftlich aktiv sein als auch an sich selbst arbeiten muss, wenn man etwas ver\u00e4ndern m\u00f6chte.<br>Der Yoga hat dazu Entscheidendes beizutragen. F\u00fcr viele Menschen ist Yoga heute jedoch lediglich eine modische Entspannungs\u00fcbung mit gymnastischen Bewegungsteilen. Der transformative Ansatz, der in den Yoga-Sutras von Patanjali steckt, ist vielen noch immer unbekannt.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">F\u00fcr P.Y. Deshpande, dem Kommentator der Yoga-Sutras von Patanjali, bieten die Yoga-Sutras den Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der heutigen Situation<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>. Bereits in seiner Generation wurde um eine Kl\u00e4rung des Spannungsverh\u00e4ltnisses zwischen Yoga und gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung gerungen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Die Auseinandersetzung \u00fcber ein als notwendig erkanntes gesellschaftliches Engagement einerseits und die notwendige Ver\u00e4nderung des Einzelnen andererseits ist also nicht neu. Auch in Europa wurde sie von der Generation unserer Gro\u00dfeltern unter franz\u00f6sischen Intellektuellen gef\u00fchrt. Einen schriftlichen Niederschlag dieser Auseinandersetzung finden wir bei Arthur Koestler in seinen beiden Essays \u201eDer Yogi und der Kommissar I +II\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> von 1942 und 1944 und der Antwort von Maurice Merleau-Ponty in seiner Abhandlung \u201eDer Yogi und der Proletarier <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> von 1947. Unter dem Eindruck der gro\u00dfen stalinistischen S\u00e4uberungen innerhalb der Sowjetunion in den 1930er Jahren und der damit verbundenen Schauprozesse wendet sich Koestler, wie viele andere politisch Aktive, vom Kommunismus ab. Sie ringen mit ihrer Vergangenheit in der kommunistischen Partei, aus der sie ausgetreten sind, und mit ihren entt\u00e4uschten Idealen. So auch Koestler und auch Merleau-Ponty.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Koestler, (Budapest 1905-1983), w\u00fcnscht sich eine Synthese zwischen dem Heiligen, dem Yogi, und dem Revolution\u00e4r, den der Politkommisar f\u00fcr ihn verk\u00f6rpert. Der politische Kommissar als Parteifunktion\u00e4r, so Koester, richtet seine affektiven Energien auf das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Er glaubt, dass durch eine radikale Umbildung des gesellschaftlichen Systems der G\u00fctererzeugung und der G\u00fcterverwertung alle Probleme der Menschheit gel\u00f6st werden k\u00f6nnten, wobei dieser Zweck alle angewandten Mittel heiligt. Der Yogi hingegen richte seine affektive Energie auf das Verh\u00e4ltnis zwischen Individuum und dem Universum. \u201eEr glaubt, dass durch die \u00e4u\u00dfere Organisation gar nichts, durch die Bem\u00fchungen des einzelnen von innen heraus jedoch alles verbessert werden kann.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> Aber beide seien mit ihrem Ansatz gescheitert, res\u00fcmiert Koester. Der Yogi deshalb, weil sein Versuch, \u201edie aus der passiven Kontemplation hergeleiteten Werte auf das praktische Handeln zu \u00fcbertragen (\u2026) zu einer naiven, dilettantischen und oft verschrobenen Art, an die sozialen Probleme heranzugehen\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a>, f\u00fchre. Dennoch sieht er in der Praxis der Kontemplation die einzige Quelle f\u00fcr die Wegweisung in ethischen Fragen, mit deren Hilfe man auf die \u201einnere Stimme des Gewissens\u201c horchen k\u00f6nne. Doch daf\u00fcr br\u00e4uchten wir eine Neuauslegung der \u00f6stlichen Begriffe in die Ausdr\u00fccke und Symbole des westlichen Denkens, fordert er. Sein Bild von Yoga entspringt offenbar nicht einer pers\u00f6nlichen Begegnung mit einem Yogin, sondern einem Buch, der Hatha-Yoga-Pradipika, aus dem er den 12. Vers des 1. Kapitel wie folgt zitiert: \u201e \u201aWer Hathayoga aus\u00fcben will\u2018, so belehrt mich Swatmaram Sami, \u201asollte allein in einer kleinen Einsiedlerklause oder in einem Kloster leben, an einem Platz frei von Felsen, Wasser und Feuer, in einem Raum von der Weite einer Bogenspanne und in einem fruchtbaren Lande, \u00fcber das ein tugendhafter K\u00f6nig herrscht und wo er nicht gest\u00f6rt wird.\u2018 (\u2026) Wenn es uns mit der Wiedererlangung unserer verlorenen H\u00e4lften ernst ist, dann m\u00fcssen wir neue Wege des Lehrens und Lernens finden\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a>, f\u00e4hrt Koester fort und fordert, Kontemplation z.B. auch in den Schulen zu lehren.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Maurice Merleau-Ponty, (Rochefort\/Frankreich 1908-1961) hingegen kann mit dem Begriff der Kontemplation, die er als einsames Denken versteht, nichts anfangen. Sein Weg, den Einklang mit sich selbst und mit den anderen zu suchen, besteht darin, die konkrete Situation leiblich zu erleben und bewusst wahrzunehmen, statt seinen Gedanken zu folgen und in einen Dialog mit den anderen Lebewesen zu treten. Die Erfahrung, die mit einem gesch\u00e4rften Bewusstsein erlebt wird, \u201emacht uns wach f\u00fcr die Bedeutung des Ereignisses und der Aktion, sie lehrt uns unsere Zeit zu lieben\u201c <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a>, schreibt er. \u201eKoester vergisst von seiner kommunistischen Vergangenheit, was bewahrt werden m\u00fcsste: den Sinn f\u00fcr das Konkrete, und beh\u00e4lt, was vergessen werden musste: die Trennung von Innen und Au\u00dfen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf in diesem Zusammenhang Simone de Beauvoir (Paris 1908-1986), die 1949 ihr epochales Werk \u201eDas andere Geschlecht\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, das als Meilenstein der feministischen Literatur gilt. Mit Merleau-Ponty befreundet und mit Koestler bekannt hat sie zusammen mit Jean-Paul Sartre (Paris 1905-1980) bis in die 1980er Jahre das Ringen um einen befreienden Umgang in den zwischenmenschlichen Beziehungen und um gesellschaftsver\u00e4ndernde Politik gepr\u00e4gt. Ihr Werk hat die Grundlage daf\u00fcr gelegt, zwischenmenschliche Beziehungen als Spiegel gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse zu verstehen und damit auch das Private als politisch zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Um einen anderen Umgang miteinander geht es auch Gerard Blitz (Antwerpen 1912-1990), der<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">1972 die Europ\u00e4ische Yoga-Union mitgegr\u00fcndet hat. Sicherlich ist er von dieser Diskussion mitgepr\u00e4gt. Auch er war entschiedener Antifaschist, kurzzeitig Mitglied der Kommunistischen Partei und engagierte sich w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in der Franz\u00f6sischen Widerstandsbewegung. 1945 er\u00f6ffnete er ein Rehabilationszentrum f\u00fcr belgische \u00dcberlebende der Nazi-Konzentrationslager<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a>. Er gr\u00fcndete 1950 den Club Mediterran\u00e9e wobei seine urspr\u00fcngliche Idee darin bestand, nach den Schrecken des Naziterrors und des Zweiten Weltkriegs im Club Mediterran\u00e9e eine ganz neue Gesellschaftsform aufzubauen, in der es keine Standesd\u00fcnkel mehr gibt und das gemeinsame Ziel darin besteht, von allen gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen befreit, so viel Spa\u00df wie m\u00f6glich zu haben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> Yoga zu \u00fcben bedeutet f\u00fcr ihn, beziehungsf\u00e4hig zu werden. \u201eUm die Beziehung ( zu den anderen und zu sich selbst, U.F.) ertr\u00e4glicher zu machen, m\u00fcssen wir unser Verhalten \u00e4ndern,\u201c schreibt er, \u201eund deshalb \u00fcben wir.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> An anderer Stelle f\u00fchrt er aus: \u201eDas Ziel ist das Leben und die Entwicklung der F\u00e4higkeit, mit anderen Beziehungen einzugehen. Leben hei\u00dft in Beziehung stehen. Yoga ist die exakte Wissenschaft, die uns die F\u00e4higkeit einer v\u00f6lligen \u00d6ffnung zur Welt erm\u00f6glicht.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> Ausdr\u00fccklich betont er die soziale Rolle des Yoga.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Derselben Generation und mit \u00e4hnlichen politischen Erfahrungen aber aus einer v\u00f6llig anderen Kultur stammt P.Y. Deshpande (Amravati\/Indien 1899-1986). Auch in seiner Biografie verbindet sich politisches Engagement mit Yoga. Deshpande war als facettenreiche Pers\u00f6nlichkeit bekannt. Zu verschiedenen Zeiten war er Romanautor, politischer Aktivist, Philosoph und Kommentator indischer Schriften. Tief wurde er, wie viele seiner Zeitgenossen weltweit, von der Russischen Revolution von 1917 beeinflusst und engagierte sich seit den 1920er Jahren in der Widerstandsbewegung mit Mahatma Gandhi gegen die britischen Kolonialherren. In den 1930er Jahren war er Mitbegr\u00fcnder der Sozialistischen Kongress-Partei, einer Gruppierung innerhalb des Indischen Nationalkongresses (INC), die sich gegen den mystischen Irrationalismus und gegen den Grundsatz der absoluten Gewaltfreiheit von Gandhi wandte und eine st\u00e4rker sozialistisch ausgerichtete Politik innerhalb des INC durchzusetzen versuchte. Nach der Unabh\u00e4ngigkeit Indiens war er zwischen 1950 und 1952 Mitglied des Provisorischen Parlaments Indiens. Sp\u00e4ter widmete er sich dem Yoga und philosophischen Themen und Kommentierungen indischer Texte, wie z.B. den Yoga-Sutras von Patanjali, die er in den 1970er Jahren verfasste und die 1976 auf Deutsch erschienen sind.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">In den Yoga-Sutras sieht er eine neue, eine yogische Lebensweise beschrieben, die geeignet ist, der Bedrohung des \u00dcberlebens auf der Erde wirkungsvoll entgegenzutreten, wenn der Mensch angesichts der gegenw\u00e4rtigen Krisen \u00fcberleben will<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a>. Voraussetzung f\u00fcr einen wirklichen Wandel sei jedoch die Kl\u00e4rung des Geistes. Eine solche geistige Erneuerung des Menschen sei dringend n\u00f6tig, aber sie sei auch m\u00f6glich. F\u00fcr Deshpande erm\u00f6glicht der Ansatz des Yoga die Erschaffung eines neuen Menschen und einer neuen Welt, indem das Bewusstsein des Menschen ver\u00e4ndert wird<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a>. Mit diesem ver\u00e4nderten Bewusstsein, das die bestehenden Verh\u00e4ltnisse ungetr\u00fcbt erkennt, weil es mit der Quelle des Seins verbunden ist, kann und soll der Mensch handelnd aktiv werden.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Doch warnt er zugleich, dass jede Revolution unvermeidlich zu einer Gegenrevolution f\u00fchre<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a>. Leider f\u00fchrt er diesen Gedanken nicht weiter aus. Vielleicht spiegelt sich in dieser Behauptung seine urspr\u00fcngliche marxistische Auffassung wider, die auf einem von Hegel abgeleiteten dialektischen Verst\u00e4ndnis von Geschichtsverlauf und von Ver\u00e4nderung beruht. Demnach ruft jede Aktivit\u00e4t eine Gegenbewegung hervor, die dann zu einer Synthese beider Gegens\u00e4tze f\u00fchre. Aber man kann auch vermuten, dass Deshpande hier auf ein Handeln unter dem Einfluss der klesas, der st\u00f6renden Kr\u00e4fte wie z.B. Nichtwissen, Egoismus, Gier oder Hass anspielt. <\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Doch nicht jedes Handeln f\u00fchrt automatisch zu neuem Leid, nicht jedes Handeln ist von den klesas getr\u00fcbt. Deshpande verweist auf YS1.5, in dem zwei Qualit\u00e4ten der geistigen Bewegungen beschrieben werden: solche, die zu Leid f\u00fchren und solche, die nicht zu neuem Leid f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Erst dann, wenn die Bewegungen des Geistes (Citta-vrttis) nicht mehr von blo\u00dfen Vorstellungen, Annahmen und Vorurteilen getr\u00fcbt werden, f\u00fchren sie nicht wieder zu neuem Leid. Erst dann k\u00f6nnen die geistigen Aktivit\u00e4ten, die vrttis \u201ezu Werkzeugen neuer Entdeckungen werden, wenn sie sich am Sehen oder an der Anschauung orientieren (Khyati-visaya), im Gegensatz zu der Orientierung an der Vorstellung\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a>, kommentiert er Patanjali. Dann sind die klesas \u00fcberwunden und entfalten nicht l\u00e4nger ihre st\u00f6rende Kraft (YS 4.30). Dann wird der Mensch f\u00e4hig, mit seinem gesellschaftlichen Engagement frei und sch\u00f6pferisch zu gestalten, ohne neues Leid zu verursachen. Solcherart befreit kann der Mensch seine Beziehungen mit anderen Menschen, mit allen anderen Lebewesen und mit der Natur in einer Weise f\u00fchren, dass sie den \u00f6kologischen Erfordernissen gerecht werden. \u201e\u2026 dann wird die menschliche Situation (\u2026) so transparent, dass sogar die dreifachen kosmischen Kr\u00e4fte (die drei Grundeigenschaften der Urnatur: Licht, Aktivit\u00e4t, Tr\u00e4gheit, U.F.), deren ewig sich wandelnde Erscheinung die Welt ist, sozusagen dem Menschen dienstbar werden, damit er mit ihrer Hilfe die Not seiner existenziellen Situation in Freiheit aufl\u00f6sen und in eine ewig neue Sch\u00f6pfung verwandeln m\u00f6ge<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a>\u201c, schreibt Deshpande.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">M\u00f6glich wird diese Qualit\u00e4t des Handelns, weil das Bewusstsein des Yogins oder der Yogini durch die Fr\u00fcchte der Meditation frei geworden ist von den Erfahrungen und Eindr\u00fccken der Vergangenheit und diese Einfl\u00fcsse aus der Vergangenheit nicht l\u00e4nger das Handeln beeinflussen. Ein aus der Meditation geborenes Bewusstsein besitzt eine v\u00f6llig andere Qualit\u00e4t als das konventionelle Bewusstsein. Es durchschaut die Energie, die sich in allen Formen der Objekte ausdr\u00fcckt, durchschaut ihr Werden in der Vergangenheit und in der Zukunft und ist befreit von der Identifizierung mit diesen Objekten, erl\u00e4utert Deshpande.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> Diese Energie wird sich im Menschen ihrer selbst bewusst. Ein derart verwandelter Mensch sp\u00fcrt die Verbindung mit sich, mit allen anderen Lebewesen und mit der gesamten Natur. Durch seine geistige Erneuerung ist dieser Mensch in der Lage zu handeln, ohne Schaden anzurichten und ohne neues Leid in die Welt zu bringen, erkl\u00e4rt Deshpande.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Doch ich frage mich: wie viele Menschen gehen den Weg des Yoga bis zu diesem Ende? Wie lange dauert dieser Prozess, bis eine f\u00fcr den gesellschaftlichen Wandel notwendige Anzahl an Menschen diese geistige Erneuerung durchlaufen haben? Haben wir noch diese Zeit? Oder ist Zeit nicht ebenfalls eine Konstruktion unseres getr\u00fcbten Bewusstseins und existiert in Wirklichkeit gar nicht? Kommt es vielleicht nur auf den Prozess an, den jeder einzelne Mensch in Richtung geistige Erneuerung durchlaufen soll?<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Siehe den sehr lesenswerten Roman mit autobiografischen Z\u00fcgen von Kumud Schramm, \u201eZauberland ist abgebrannt\u201c, Frankfurt, 2021<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Bettina B\u00e4umer, Deshpande, Die Wurzeln des Yoga 1985, S.10<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Arthur Koestler, Der Yoga und der Kommissar, 1974, S. 11-23 und S. 244 &#8211; 277<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Maurice Merleau-Ponty, Humanismus und Terror 2, 1966, S: 56 &#8211; 99<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Koestler, 1974, S.12<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Koestler, 1974, S. 275<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Koestler, 1974, S. 276<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Maurice Merleau-Ponty, Humanismus und Terror 2, 1966, S. 99<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Merleau-Ponty, 1966, S. 77<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Aus: en.wikipedia.org\/wiki\/Gerard_Blitz, abgerufen am 13.8.2024<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"western\" align=\"left\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><span style=\"font-size: small;\">Susanne Fr\u00f6mel, Club \u00e9galit\u00e9, in: mare Nr. 89, Dez.2011 aus: <\/span><span style=\"color: #000080;\"><u><a href=\"http:\/\/www.mare.de\/club-egalite\"><span style=\"font-size: small;\">www.mare.de\/club-egalite<\/span><\/a><\/u><\/span><span style=\"font-size: small;\">, abgerufen am 13.8.2024<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Gerard Blitz, Der Yogaweg des Patanjali, o.J., S. 42<\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\">\n<\/p><\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Gerard Blitz, Der Yoga und die Yoga-Sutras, in: Die Wege des Yoga, 1990, S. 92<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Deshpande, Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, 1985, S. 10<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> Deshpande, Patanjali, 1985, S. 192<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> Deshpande, Patanjali, 1985, S. 25<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a> Deshpande, Patanjali, 1985, S. 35<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> Deshpande, Patanjali, 1985, S. 188 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a> Deshpande, 1985, S. 174<\/p>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<h1><strong>Teil 6: Das Ich des Yogi<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;(ver\u00f6ffentlicht in DYF Heft 1\/2025)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<\/p><p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Ich des Yogins ist ein Widerspruch in sich. Der Yogin, die Yogini, hat kein Ich im konventionellen Sinn mehr. Die Yogini, der Yogin erlebt sich und die Welt als beobachtendes Individuum. Da, wo fr\u00fcher mit der konventionellen Wahrnehmung \u201eIch\u201c war, ist nur noch ein Punkt, von dem aus die individuelle Existenz und die Welt wahrgenommen werden. Wobei die individuelle Existenz nicht mehr als aus sich heraus existent erlebt wird, die sich von allen anderen Lebewesen getrennt f\u00fchlt. Vielmehr ist die yogische Wahrnehmungsweise dadurch gepr\u00e4gt, dass sie sich als eingebettet empfindet in ein Netz von Beziehungen und Wechselwirkungen mit allen anderen Lebewesen und Dingen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Yoga bedeutet, einen Geisteszustand herzustellen und zu bewahren, den Patanjali in seinen Yoga-Sutras citta-vrtti-nirodha (YS 1.2) nennt. F\u00fcr die Indologin Bettina B\u00e4umer bezeichnet dieses Sutra eine Qualit\u00e4t unseres Geistes, bei der die seelisch-geistigen Bewegungen zur Ruhe kommen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a>. Dann entsteht eine Bewusstseinsintensit\u00e4t, bei der man klar und pr\u00e4sent ist bei allem, was man tut. In diesem Bewusstseinszustand, so schreibt sie, geschehen zwei erstaunliche Dinge: erstens n\u00e4hert man sich der Versenkung durch Meditation. Ein solcherart klares Bewusstsein wird nicht gest\u00f6rt durch irgendwelche anderen geistigen Aktivit\u00e4ten, sondern besitzt die F\u00e4higkeit, die Aufmerksamkeit auf das gerichtet zu halten, auf das man sich konzentrieren will, ohne sich ablenken zu lassen. Zweitens werden innere Spannungen, die als Leidenschaften erlebt werden, vermindert, sodass sie nicht mehr als Hindernisse auftreten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Hier ber\u00fchren wir den Kern dessen, worum es beim Yoga-\u00dcben geht: innere Spannungen abzubauen. Diese entstehen dadurch, dass die konventionelle Wahrnehmung von sich selbst und der Welt nicht mit dem \u00fcbereinstimmen, wie die Welt tats\u00e4chlich ist und was wir als Individuen in Wirklichkeit sind. Patanjali nennt die konventionelle Wahrnehmung Avidya, Nichtwissen, falsches Verstehen. (YS 2.3) Konvention hei\u00dft w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt \u00dcbereinkunft und bezieht sich auf die gesellschaftliche \u00dcbereinkunft in Bezug auf die Interpretation der Wirklichkeit und leitet daraus Normen und Regeln des sozialen Verhaltens ab. In unserem Zusammenhang geht es um weit mehr: Es geht um das Verst\u00e4ndnis davon, was und wie die Welt ist, was und wie der Mensch ist. Je nachdem, wie das Verst\u00e4ndnis einer Person aussieht bzw. in welches Weltbild es eingebettet ist, formt dieses Verst\u00e4ndnis eine bestimmte Wahrnehmungsweise. Konventionelle Wahrnehmung fu\u00dft lediglich auf Worten, die die Welt beschreiben. Dabei spielen die jeweiligen Machtverh\u00e4ltnisse eine entscheidende Rolle, wie eine Sache oder eine Situation verstanden und interpretiert wird. Aber es handelt sich nur um Begriffe, um Worte und damit um eine durch Sprache abstrahierte Darstellung der Welt, nicht aber um die Welt selbst. Bezogen auf das Individuum pr\u00e4gen diese konventionellen Wahrnehmungsmuster die Zuschreibungen, mit denen unsere soziale Mitwelt uns versieht und damit unsere Identit\u00e4t. Unser normales, konventionelles Bewusstsein identifiziert sich mit diesen Zuschreibungen, mit diesen Interpretationen und verwechselt sie mit der Sache selbst. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Aus diesem falschen Verst\u00e4ndnis (Avidya) entstehen Spannungen. Zuerst entwickeln wir daraus ein falsches Verst\u00e4ndnis von uns selbst, ein falsches Selbstbild. Patanjali nennt die erste Spannung, das erste Hindernis, das aus Avidya entsteht, Asmita (YS 2.6.). Sriram \u00fcbersetzt es mit Selbstbezogenheit, B\u00e4umer mit Ichverhaftung, das Gef\u00fchl der Ich-heit, das Gef\u00fchl: ich bin. Doch was bin ich? Dieses Gef\u00fchl registriert zwei Faktoren: erstens sp\u00fcrt es die eigene Existenz, es gibt mich wirklich. Zweitens: ich bin nicht identisch mit den anderen Individuen. Ich bin nicht du. Und hier wird es spannend. Denn durch die derzeit vorherrschenden Konventionen wird dieses Gef\u00fchl verbunden mit der Vorstellung, ich sei getrennt von den anderen Lebewesen, getrennt von der Natur.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Und zus\u00e4tzlich wird das Ich mit Zuschreibungen, mit Eigenschaften versehen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Schauen wir uns diesen Prozess genauer an. Wir entwickeln unser Selbstbild aufgrund unserer Erfahrungen, die zuerst k\u00f6rperlich erlebt werden. Die Erlebnisse in und mit der Welt schreiben sich in unseren K\u00f6rper und in unsere Psyche ein. Diese Pr\u00e4gungen, die durch den kulturellen Rahmen und das soziale Umfeld stattfinden, formen unser Verst\u00e4ndnis von der Welt und von uns selbst.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> Jeder Mensch baut sich ein Ich, das angef\u00fcllt ist mit Zuschreibungen durch die Menschen um ihn herum, die ihm sagen, was er ist und was er tun soll; das zudem angef\u00fcllt ist mit der Identifizierung mit den eigenen Gef\u00fchlen, Gedanken, den Rollen, die er im Alltag einnimmt, mit den Konzepten, die sich sein Geist von einem Objekt macht, mit seinem Weltbild, mit seinem falschen Verst\u00e4ndnis der Welt. Dieses Ich versteht sich in unserer Kultur schlie\u00dflich als getrennt von den anderen Lebewesen und getrennt von der gesamten Mitwelt und der Natur. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Im Grunde ist alles eine Frage der Identit\u00e4t, die sich von sich selbst entfremdet oder in sich selbst gr\u00fcndet\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>, schreibt Deshpande. F\u00fcr ihn ist das Ich, \u201edieser innere Kern der Psyche nichts anderes (\u2026) als ein verh\u00e4rteter Komplex von vrtti-sarupya\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>, Identifizierung mit den seelisch-geistigen Vorg\u00e4ngen (YS1.4). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Halten wir fest: Nach Patanjali, wie Deshpande die Yoga-Sutras interpretiert, gibt es ein Ich des Yogins, der Yogini, zumindest noch am Anfang des Entwicklungsweges in Richtung des Yoga-Zustandes, in Richtung Samadhi. Es unterscheidet sich aber fundamental von der Vorstellung eines Ich, wie wir es in unserer Kultur kennen. Das yogische Ich ist der Ausgangspunkt der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung der Welt. Der gesamte \u00dcbungsweg des Yoga besteht darin, eine unterscheidende Wahrnehmungsf\u00e4higkeit, Viveka (YS 2.26), zu entwickeln. Auf diesem Entwicklungsweg durchl\u00e4uft der Yoga-\u00dcbende Mensch verschiedene Bewusstseinstransformationen, in denen Tr\u00fcbungen der Wahrnehmung St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck beseitigt werden, bis die Wahrnehmung kristallklar geworden ist. Dann sind alle falschen Identifikationen beseitigt. \u00dcbrig bleibt ein klarer Geist, der alles vollkommen erkennt, wie es ist. Dieser klare Geist hat kein Ich mehr, wie wir es kennen, sondern ist eine Energie, die Deshpande als reine Sehkraft<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> beschreibt. Der Sehende lebt in seiner Wesensidentit\u00e4t, die reine Sehkraft ist, eine besondere Qualit\u00e4t der Wahrnehmung, reine Schau<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a>. Dann l\u00f6st sich das Ich im Sinne einer Selbstbezogenheit auf, \u00fcbrig bleibt reines Wahrnehmen, reine Schau (YS 4.25). Der von den Bewusstseinstr\u00fcbungen befreite Mensch lebt eine Lebensweise, die von Augenblick zu Augenblick wahrnimmt, was ist und erkennt, was zu tun oder zu lassen ist. Durch ihn wirkt die Schau als sch\u00f6pferische Lebenskraft. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Bevor ein Ich transzendiert werden k\u00f6nne, m\u00fcsse es erst einmal aufgebaut werden, lautet eine g\u00e4ngige Vorstellung, wenn es um Meditieren geht. In diesem Hinweis steckt die berechtigte Sorge, dass Menschen, deren Psyche instabil ist, beim Meditieren Schaden nehmen k\u00f6nnten. Wie in allen Lehrsituationen so ist auch beim Anleiten von Meditation grunds\u00e4tzlich darauf zu achten, wie es den Lernenden geht, muss vorab gekl\u00e4rt werden, welche \u00dcbungen f\u00fcr die jeweilige Person angemessen und sinnvoll sind. M\u00f6glicherweise ist es im Zweifelsfall besser, einer instabilen Person nicht Meditations- sondern K\u00f6rper\u00fcbungen vorzuschlagen, die sie innerlich ausgleichen und die sie als wahrnehmende Person in ihrem K\u00f6rper verankern. Doch dies ist etwas anderes, als ihr konventionelles Ich mit all seinen falschen Vorstellungen zu st\u00e4rken. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ein anderes Argument f\u00fcr die angebliche Unabdingbarkeit einer Ich-Identit\u00e4t f\u00fchren Anna Tr\u00f6kes und Bettina Knothe an: \u201eEine der wichtigsten St\u00fctzpfeiler in unserer Existenz ist unsere Identit\u00e4t, die sich aus den vielf\u00e4ltigen Modulen speist, aus denen sich unser Ich zusammensetzt. Weil dieses Ich ja tats\u00e4chlich das ist, wodurch jede und jeder in ihren und seinen Beziehungen \u00fcberhaupt erst funktionsf\u00e4hig wird, macht es Sinn, dass wir im Laufe unseres Lebens eine ganz starke Ich-Verhaftung entwickeln.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> Es ist sicherlich richtig, dass unsere Identit\u00e4t ein wichtiger St\u00fctzpfeiler in unserer Existenz darstellt. Doch dies trifft nur auf das konventionelle Bewusstsein zu und bezieht sich nur auf das (zerst\u00f6rerische) Leben in unserer heutigen Kultur. Wir haben oben gesehen, dass unsere konventionelle Identit\u00e4t auf falschen Vorstellungen und von der Au\u00dfenwelt \u00fcbernommenen Zuschreibungen beruht. Tr\u00f6kes und Knothe unterscheiden nicht zwischen dem auf Konventionen beruhenden Ich-Bewusstsein, das Patanjali mit Asmita bezeichnet, und dem im Yoga angestrebten Bewusstsein, das nicht mehr Ich, sondern reine Schau ist. Man darf unterstellen, dass auch Tr\u00f6kes und Knothe das starke egozentrische Bewusstsein, das bei vielen Zeitgenossen vorherrscht, als problematisch und als Quelle vielen Unheils ansehen. Der Yoga-Weg besteht nun gerade darin, dieses konventionelle Bewusstsein mit seinem konventionellen Ich von Grund auf zu ver\u00e4ndern. Als Yoga-\u00dcbende wissen wir aus eigener Erfahrung, dass es weitaus bessere Mittel gibt, sinnvolle Beziehungen zur objektiven Welt herzustellen, anstatt ein aufgebl\u00e4htes Ego zu kreieren, n\u00e4mlich einen klaren Geist zu entwickeln, in dem die geistigen Bewegungen zur Ruhe gekommen sind und aus dem Unterscheidungsverm\u00f6gen und ungetr\u00fcbte Erkenntnis erwachsen. In einem solchen Geist entstehen keine Spannungen mehr, weil die Ursache f\u00fcr das Entstehen der Spannungen, Avidya, Nicht-Wissen, falsches Verstehen, und die daraus entstandene Ich-Verhaftung beseitigt sind. Auch sind die inneren Spannungen keine Reifungs- und Verarbeitungsprozesse unseres Gehirns, wie Tr\u00f6kes und Knothe behaupten, sondern Konflikte, die aus dem Widerspruch zwischen der objektiven Realit\u00e4t und einem getr\u00fcbten Bewusstsein, das diese Realit\u00e4t falsch wahrnimmt, entstanden sind. Schlie\u00dflich schreiben sie, dass Patanjali in seinem Yoga-Sutra keinen Zweifel daran aufkommen lasse, dass sich die Macht der Kleshas niemals v\u00f6llig brechen lassen wird. Das Gegenteil ist aber der Fall. Der \u00dcbungsweg des Yoga hat gerade das Ausschalten der Kleshas, die zu Spannungen f\u00fchren, zum Ziel! Deshpande\/B\u00e4umer nennen diesen Weg auch \u201eGegen-Sch\u00f6pfung\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> Wenn ein Mensch in eine existenzielle Situation ger\u00e4t, entsteht die M\u00f6glichkeit, das Wirken der Kleshas zu erkennen und auszuschalten<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a>. Sind sie ausgeschaltet, dann sind die geistigen Bewegungen zur Ruhe gekommen (YS 1.2) Dies ist ein Prozess, der durch beharrliches \u00dcben und Losl\u00f6sung, Gleichmut (YS 1.12) eingeleitet wird. Einge\u00fcbt wird die F\u00e4higkeit, zuzuschauen, wie die Bewegungen des Geistes, z.B. Gedanken und Bilder, auftauchen, eine Weile bleiben und dann wieder verschwinden. Manchmal entsteht dann eine kleine Pause, ein Ruhezustand, in denen keine Geistesbewegungen stattfinden. Dann ist man blo\u00dfer Zuschauer und nimmt das Anschauen als reine Energie, als reines Sehen wahr. Dieses reine Sehen wird im Yoga der \u201eSehende\u201c (drasta) genannt (YS 2.20). Dann ruht der Sehende in seiner Wesensidentit\u00e4t (YS 1.3.). An anderer Stelle nennt Patanjali die Energie des reinen Sehen Purusa (YS 1.16). Deshpande\/B\u00e4umer erl\u00e4utern Purusa als den inneren, geistigen Menschen, als den Mensch in seiner existenziellen Wesenheit<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a>. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wenn die geistigen Bewegungen zur Ruhe gekommen sind, geht das freie Leben erst richtig los. YS 1.17: Wenn die geistigen Bewegungen zur Ruhe gekommen sind, f\u00fchrt dieser Zustand zu verschiedenen Arten der Versenkung (samadhi), die mit immer tiefgreifenderer Erkenntnis verbunden sind. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Zuerst gibt es noch ein Ich, das erkennt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Dies ist ein reines \u201aIch-Sein\u2018(asmita), frei von allen Spannungen, die sonst mit dem Ego verbunden sind\u201c, schreiben Despande\/B\u00e4umer, und fahren fort: \u201eDieses Ichbewusstsein ist frei von allen Bestimmungen und daher rein und aus sich selbst leuchtend. Wie ein Punkt hat es eine Lage, aber keine Ausdehnung, weder materiell noch geistig. Es stellt nur fest: \u201aIch bin, ich bin nicht der andere und kann nie der andere sein\u2018.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> In dieser ich-haften Versenkung lebt man von Augenblick zu Augenblick, das Ich ist der Erfahrende und die Welt das Objekt der Erfahrung. Patanjali nennt diesen Versenkungszustand Sabija-Samadhi. Sabija meint hier den Keim dessen, was man als Ich-bin-heit bezeichnet. Dies ist aber noch nicht die h\u00f6chste Stufe des Yoga. Dieser innere Kern der Psyche, so schreiben Deshpande\/B\u00e4umer, sei nichts anderes als der verh\u00e4rtete Komplex von vrtti-sarupya<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> (YS1.4), die Identifizierung mit den falschen Vorstellungen der geistigen Bewegungen und die daraus resultierenden Pr\u00e4gungen. Erst wenn diese Pr\u00e4gungen keine Wirkung mehr haben, erl\u00e4utert Sriram, ist die h\u00f6chste Stufe des Yoga erreicht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> In diesem Zustand fallen alle emotionalen und begrifflichen Attribute, die man dieser Identit\u00e4t gegeben hat, wie geliehene Federn weg und l\u00f6sen sich in nichts auf: \u201eMan wird wie ein Wesen, das keine eigene Form hat und doch erf\u00fcllt ist von der Energie, die Leben ist. Es ist nun \u201adas Leben selbst\u2018, das die Identit\u00e4t \u00fcbernimmt (\u2026).\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> In diesen Zustand gelangt man, wenn man seine Aufmerksamkeit auf die Erfahrung des leeren Zwischenraumes richtet, der frei ist von jeder geistigen Bewegung. Dann h\u00f6rt die Erfahrung mit dem Ich im Mittelpunkt auf und das reine Sehen ohne Mittelpunkt beginnt (Deshpande\/B\u00e4umer S. 45). Sriram beschreibt diesen Zustand als Erfahrung der Einheit (Sriram 2006, S. 48).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Damit ist die Tiefendimension des Yoga beschrieben, die zu einer Wahrnehmungs- und Lebensweise, zu einer v\u00f6llig neuen Art von Intelligenz f\u00fchrt. Sie wird von einer v\u00f6llig neuen Art der Einsicht und des Erkennens gespeist, die aus den Tiefen des eigenen Wesens auftaucht. Diese neue Einsicht, die aus dem Erleben der Einheit entspringt, ist erf\u00fcllt von Wirklichkeit, von dem Erkennen der ewigen Ordnung: \u201ejenes geheimnisvolle Etwas, das aus dem Gro\u00dfen Unbekannten kommt und dahin wieder zur\u00fcckkehrt, so als w\u00e4ren das Auftauchen und Verschwinden die Atemz\u00fcge der Wirklichkeit selber.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> Mit dem Erleben dieser Einheit, mit dem Teil-sein vom Atmen des Lebens ist ein neuer Bezugsrahmen f\u00fcr das Handeln im allt\u00e4glichen Leben entstanden. Ein qualitativer Neubeginn wird m\u00f6glich, der Neubeginn einer Lebensweise, die sich im Einklang mit der Natur, dem Atmen des Lebens befindet. Der Krieg des Menschen gegen sich und gegen die Natur ist damit beendet.<\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, \u00fcbersetzt von Bettina B\u00e4umer mit einem Kommentar von Deshpande, 1976, S. 21<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Ebenda S. 88<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Ulrich Fritsch, Yoga und das Erkennen der Welt \u2013 Bewegung als Schl\u00fcssel zur Erkenntnis, DYF 3\/2024<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Patanjali, Die Wurzeln des Yoga,Deshpande\/B\u00e4umer, 1976, S. 27<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Ebenda, S. 81<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Ebenda, S. 113<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Ebenda, S. 92<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Anna Tr\u00f6kes, Bettina Knothe, Yoga-Gehirn, M\u00fcnchen 2010, S. 180<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Deshpande\/B\u00e4umer, 1976, S. 96<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Ebenda S. 88<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> Ebenda S. 39<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Ebenda S. 44<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Ebenda, S. 81<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Sriram, Patanjali, Das Yogasutra, Bielefeld 2006, S.81<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> Despande\/B\u00e4umer, S. 81<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> Ebenda, S. 80<\/p>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<h1><strong style=\"color: revert; font-size: revert;\">Teil 5: Yoga-Beziehung zur Welt<\/strong><\/h1>\n<\/li>\n<li>\n<h1>&nbsp;<\/h1>\n<p class=\"western\" align=\"left\">(Ver\u00f6ffentlicht in DYF Heft 6\/2024)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><i>Wer seine Lage erkannt hat,<\/i><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><i>wie soll der aufzuhalten sein?<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/i><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\">(Bertolt Brecht)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Yoga \u2013 Beziehung zur Welt <\/b><\/span><b> <\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wunderbar ist es, wenn man \u00fcber ein reichhaltiges und ausgeglichenes Gef\u00fchlsleben verf\u00fcgt. Wunderbar ist es, wenn die Gedanken beruhigt sind und der Geist sich kl\u00e4rt. Dann wird die Welt bunt und die innere Sonne scheint. Dann qu\u00e4lt keine Unruhe, keine Verwirrung, keine Dumpfheit mehr und kein Wechsel zwischen aufgeregt und tr\u00e4ge. Stattdessen breitet sich eine entspannte Ruhe im gesamten Organismus aus, ein lebendiges Pulsieren in allen Zellen, eine brillante Klarheit, reine Wahrnehmung, der tiefe Gl\u00fcckseligkeit folgt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Patanjali nennt diesen Zustand Yoga (YS 1.2). Dieser innere Frieden, diese innere Klarheit erm\u00f6glicht ein differenziertes Wahrnehmen, sodass man alles, worauf man mit Gleichmut die Aufmerksamkeit richtet, spontan und kristallklar erkennt (YS 3.54), d.h. gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig durchdrungen und gedanklich versteht. Wenn man die Ausrichtung weiter aufrecht erhalten kann, stellt sich mit der Zeit ein erf\u00fcllter innerer Gl\u00fcckszustand ein, dem das vollkommene Erfassen und die Einheit mit dem, worauf man die Aufmerksamkeit gerichtet hat, folgt (YS 1.17). Diese tiefe Qualit\u00e4t der Erkenntnis, diese Erkenntnisf\u00e4higkeit nennt Patanjali samadhi (YS 2.29). Es handelt sich dabei um ein unmittelbares Verstehen, das nicht durch Gedanken entsteht, sondern durch ungetr\u00fcbtes Wahrnehmen, durch reine Schau<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Yoga \u00fcben hei\u00dft, aktiv die Welt zu gestalten<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Und dann geht das Leben erst richtig los! Durch die F\u00e4higkeit, etwas klar zu erkennen, zu f\u00fchlen und zu verstehen, durch reine Schau, entsteht eine v\u00f6llig neue Beziehung zu sich und zu allen anderen Lebewesen und Dingen in der Welt. Die Probleme und die Ungerechtigkeiten in der Welt sind dann nat\u00fcrlich nicht verschwunden, aber ein anderer Umgang mit ihnen wird m\u00f6glich. Anstatt sich t\u00e4glich neu zu \u00e4rgern und dann vielleicht irgendwann resignierend zur\u00fcckzuziehen, kann man eine andere innere Haltung ein\u00fcben, die Kraft und Mut zu best\u00e4ndigem Engagement bereitstellt. \u201eFast jede T\u00e4tigkeit kann eine l\u00e4uternde Wirkung auf uns haben und dadurch allm\u00e4hlich zu Yoga f\u00fchren. (\u2026) Entscheidend daf\u00fcr ist die innere Haltung, mit der wir eine T\u00e4tigkeit ausf\u00fchren.\u201c <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> Jede Aktivit\u00e4t kann als \u00dcbung des Yoga angesehen werden, wenn sie mit Leidenschaft (tapas), Vernunft (Svadhyaya) und Hingabe (Isvarapranidhana) ausgef\u00fchrt wird, erl\u00e4utert Sriram das Yoga-Sutra 2.1<\/span><span style=\"font-size: large;\">. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Tapas bedeutet, die eigene Tr\u00e4gheit \u00fcberwinden und sich mit Herzblut, kraftvoll und engagiert einzumischen. Ein solches Engagement birgt jedoch immer die Gefahr, dass man sich dabei aufreibt, die eigenen Bed\u00fcrfnisse zu lange hinten an stellt und im Burnout landet. Um ein Ausbrennen zu vermeiden, gilt es, das Ziel im Blick zu behalten, aber nicht zu hohe Erwartungen an die Ergebnisse des eigenen Engagements zu stellen. Denn ob die gew\u00fcnschten Ergebnisse eintreten, ist nicht vorhersehbar. H\u00e4ufig entwickeln sich die Verh\u00e4ltnisse anders als gew\u00fcnscht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<\/p><p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Engagement soll eine bestimmte Qualit\u00e4t aufweisen: die Handlung ohne Erwartungshaltung liebevoll und mit Hingabe (Svadhyaya) auszuf\u00fchren und w\u00e4hrenddessen die T\u00e4tigkeit zu genie\u00dfen! Denn w\u00e4hrend des Handelns soll sich Yoga ausdr\u00fccken! Eine Lebensf\u00fchrung, die zielgerichtet ist und dabei von Augenblick zu Augenblick handelt, eine Lebensf\u00fchrung, in der wir achtsam in der Gegenwart leben und daraus Freude sch\u00f6pfen. B\u00e4umer interpretiert Tapas deshalb als Intensit\u00e4t des Seins, als Gro\u00dfe Empfindsamkeit f\u00fcr das, was innen und au\u00dfen geschieht. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Zwischen begeistertem Engagement und genussvoller Hingabe wirkt die Vernunft (Isvarapranidhana) als vermittelnder Faktor. Sie sorgt daf\u00fcr, dass wir nicht im Burnout landen, zu waghalsig oder zu r\u00fccksichtslos werden. Sie ist auch darauf bedacht, dass wir nur solche Mittel verwenden, die das angestrebte Ziel des Yoga bereits im Engagement vorweg nehmen. Patanjali bietet dazu einen ethischen Orientierungsrahmen, den er in den ersten beiden Gliedern des Yoga-\u00dcbungswegs in Sutra 2.28 beschreibt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Yoga \u00fcben bedeutet, sich einzumischen, seine Beziehungen und sein Lebensumfeld aktiv zu gestalten, damit wir f\u00fcr den zu Beginn beschriebenen wunderbaren Yoga-Zustand g\u00fcnstige Entfaltungsm\u00f6glichkeiten in unserem sozialen Umfeld und in unserer Gesellschaft herstellen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Denn wir \u00fcben Yoga immer in einem sozialen Umfeld und unter gesellschaftspolitischen Bedingungen: \u201eDie sozialen Beziehungen spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Entfaltung unserer Ziele. Zumindest insofern, dass wir nicht friedlich \u00fcben k\u00f6nnen werden, solange wir in schlechten Beziehungen zu den Menschen um uns herum stehen und in ungl\u00fccklichen Verh\u00e4ltnissen leben\u201c, schreibt Sriram.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> Auf die lebenswichtige Bedeutung von Beziehungen verweist auch Gerard Blitz, Mitbegr\u00fcnder und langj\u00e4hriger Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Yoga-Union, wenn er hervorhebt, dass wir Yoga \u00fcben, damit wir uns \u00e4ndern, um unser Leben in der Beziehung zur Gesellschaft ertr\u00e4glicher zu machen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Hier begegnen wir einem bei heutigen Yoga-\u00dcbenden weit verbreiteten Missverst\u00e4ndnis: Viele meinen Yoga zu praktizieren, wenn sie auf der Matte sitzen und Asanas, Pranayamas und Meditation \u00fcben. Aber das sind lediglich wirksame Hilfsmittel. Ziel ist nicht, z.B. ein Asana zu beherrschen, sondern mit Hilfe der Asanas bestimmte Qualit\u00e4ten und F\u00e4higkeiten auszubilden. Aus der Analyse der verschiedenen Stufen der Yogaerfahrung, die Patanjali im 1. Teil der Yoga-Sutras beschrieben hat, ergibt sich ein Streben, das Leben so zu f\u00fchren, dass es mit Yoga oder Samadhi \u00fcbereinstimmt, betont die Indologin Bettina B\u00e4umer<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a>. Immer wieder schreibt sie, dass es beim Yoga darum geht, eine andere Lebensweise zu entwickeln. Denn die Qualit\u00e4ten des Yoga entfalten sich nicht auf der Yogamatte, sondern im Alltagsleben. Diese andere Lebensweise entspringt einem Bewusstsein, das durch Yoga verwandelt worden ist, ein Bewusstsein, das ungetr\u00fcbt als reine Schau die Welt erkennt und diese Klarheit bei allem, was man tut, beibeh\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Heftig diskutierten wir in den 1990er und 2000er Jahren in den Yoga-Ausbildungsseminaren im Rahmen des Kontaktstudiums, das der BDY damals angeboten hatte, \u00fcber die Bedeutung von Patanjalis Gliederung des Yoga-\u00dcbungsweges. Wir suchten nach einer Antwort darauf, warum er als erstes Glied Yama, den Umgang im zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Bereich, gesetzt hatte. Unausgesprochen gingen wir davon aus, dass unter Yoga-\u00dcben die Praxis auf der Yoga-Matte gemeint war. Rudolf Fuchs und Margret Distelbart empfahlen sogar, die ersten beiden Glieder Yama und Niyama zu \u00fcberspringen und mit dem dritten Glied, der Asana-Praxis, zu beginnen. Sie f\u00fcrchteten, dass wir den ethischen Geboten der Yamas, nicht gewachsen seien und gestanden ein, dass sie sie nicht verst\u00fcnden: \u201eZu den hohen Idealen, denen wir in Yama und Niyama begegnen, k\u00f6nnen wir uns nur erheben. Verstehen k\u00f6nnen wir sie nicht.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Sinn macht die Reihenfolge des Yoga-\u00dcbungswegs tats\u00e4chlich nur, wenn man, wie es Sriram und Blitz formulieren, den Yoga-Weg als Gestaltung der sozialen Beziehungen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse versteht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Der Mensch und die Welt sind eins<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Yoga \u00fcben bedeutet, den Menschen in seiner Ganzheit zu betrachten und daf\u00fcr zu sorgen, dass er seine Ganzheit leben kann. Ausdr\u00fccklich weist Bettina B\u00e4umer darauf hin, dass es im Yoga darum geht, \u201edas Wesen und die Struktur der Welt zu verstehen, in der man sein Dasein hat\u201c, die existenzielle Situation des Menschen zu begreifen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> Doch dies ist nur m\u00f6glich, so f\u00e4hrt sie fort, wenn man in einem Zustand verweilt, in dem die vorstellende Bewegung des Denkens zur Ruhe gekommen ist, einem Zustand, in dem nichts herrscht au\u00dfer einem intensiven Bewusstsein dessen, was ist, innerlich und \u00e4u\u00dferlich, von Augenblick zu Augenblick. Doch zur existenziellen Situation des Menschen geh\u00f6ren auch die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen er lebt. Folglich m\u00fcssen nicht nur die hinderlichen Strukturen unseres Geistes erkannt und beseitigt werden, sondern auch die hinderlichen gesellschaftlichen Umst\u00e4nde. Denn die hinderlichen Geistesstrukturen sind kein Wesensmerkmal unseres Geistes. Sie k\u00f6nnen ver\u00e4ndert, aufgel\u00f6st werden, wie es Patanjali in den Yoga-Sutras beschreibt. Sie wurden durch die soziale Mitwelt und durch die politischen Umst\u00e4nde erschaffen. Und unsere gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse pr\u00e4gen unsere Psyche immerzu und st\u00e4ndig. Deshalb wird das Yoga-\u00dcben als ein Reinigungsprozess beschrieben, der nie zu Ende ist, genau so, wie man sich jeden Tag neu die Z\u00e4hne putzen muss. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wer den Yoga-\u00dcbungsweg lediglich auf den Geist eines Individuums bezieht, verkennt, dass der Mensch nicht isoliert auf der Welt existiert, sondern innig in ein Gewebe sozialer und politischer Beziehungen eingewoben ist, das ihn pr\u00e4gt und das er mit pr\u00e4gt, ein Gewebe von Umst\u00e4nden, die st\u00e4ndig auf ihn einwirken ebenso wie er st\u00e4ndig auf diese Umst\u00e4nde einwirkt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Yoga \u00fcben bedeutet, Verhaltensweisen und Beziehungsqualit\u00e4ten zu entwickeln, die sich an der Ethik des Yoga orientieren, wie Patanjali sie in den Yamas und Niyamas (YS 2.30 -2.32) dargelegt hat. Yoga \u00fcben bedeutet, den Menschen in seiner Ganzheit zu verstehen, in seiner Ganzheit als Mensch und in seiner Verwobenheit mit seiner Mitwelt. Entsprechend reicht es nicht aus, die Yamas nur auf die Vorg\u00e4nge in der eigenen Person, in der eigenen Psyche zu beziehen, sondern man muss sie bei der Auseinandersetzung mit der Welt, in der Auseinandersetzung mit den Bedingungen, unter denen wir leben, umsetzen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ein Beispiel: Ahimsa, das erste der f\u00fcnf Yamas, der \u201e\u00dcbungen f\u00fcr gutes Handeln\u201c, wie Eckard Wolz-Gottwald die Yamas nennt<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>, wird mit \u201eNichtverletzen\u201coder \u201eGewaltlosigkeit\u201c \u00fcbersetzt. Doch nicht nur k\u00f6rperlich, sondern weder mit Worten noch mit Gedanken soll irgendeine Gewalt ausge\u00fcbt werden. Aber dann schr\u00e4nkt Wolz-Gottwald ein, dass es bei Ahimsa als yogischer \u00dcbung nicht um das Minimieren verletzender Handlungen gehe. Die \u00dcbung bestehe vielmehr darin, im Moment des Drangs nach Gewalt den Blick nach innen zu richten und so Zorn, Wut oder Gier bewusst wahrzunehmen. Dem Drang zu verletzen sei der Impuls der Gewaltlosigkeit entgegenzusetzen. Durch die eigene friedvolle Haltung k\u00f6nne auch beim potenziellen Gegner die Feindschaft schwinden. Weiter schreibt er: \u201cWem keine Feindschaft begegnet, welchen Grund sollte derjenige noch haben, Gewalt auszu\u00fcben? Die Notwendigkeit von Ahimsa als Gebot hat sich aufgel\u00f6st.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> Wie eng ist diese Sichtweise. Sie verliert kein Wort \u00fcber die verletzenden Anfeindungen, denen Menschen ausgesetzt sind, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Wie viele unserer Mitmenschen erleben t\u00e4glich Formen von Gewalt! Wenn jemandem keine Feindschaft begegnet, so hei\u00dft das nicht, dass es keine Gewalt mehr gibt und dass man nicht vielleicht morgen Gewalt erlebt. Au\u00dferdem blendet Wolz-Gottwald aus, wie sehr wir allein durch unser Nichtstun, durch unser Wegsehen, durch unsere Gleichg\u00fcltigkeit Anteil an ausge\u00fcbter Gewalt haben. Er ignoriert die strukturelle Gewalt, die unser Leben durchzieht und an der wir teilhaben.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieses Yama fordert auf, das eigene Verhalten zu \u00fcberpr\u00fcfen, herauszufinden, wo man andere mit Worten oder Taten verletzt und dies zu ver\u00e4ndern sowie die Beteiligung an struktureller Gewalt zu durchschauen und zu beenden. Ahimsa lediglich als geistige \u00dcbung anzusehen, die nur im einzelnen Menschen geschieht, leistet der Heuchelei und der Doppelmoral kr\u00e4ftigen Vorschub. Umgekehrt steckt in dem Yama, im gewaltlosen Verhalten (Denken, Reden, Handeln) eine gro\u00dfe ver\u00e4ndernde Kraft, nicht nur f\u00fcr die eigene Psyche, sondern auch f\u00fcr die Herstellung einer friedlicheren Gesellschaft. Dieses Potenzial geh\u00f6rt verst\u00e4rkt herausgestellt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ein weiteres Beispiel: Asteya, das mit \u201eNichtstehlen\u201c, \u201eNichthorten\u201c \u00fcbersetzt wird. Damit ist mehr gemeint als nicht zu nehmen, was einem nicht geh\u00f6rt. Asteya fordert zur Reflexion dar\u00fcber auf, was ich tats\u00e4chlich an materiellen und immateriellen G\u00fctern f\u00fcr mein Leben ben\u00f6tige, fordert z.B. auf, beim Kauf zu ber\u00fccksichtigen, unter welchen Bedingungen die G\u00fcter hergestellt wurden, beispielsweise ob sie mit Kinderarbeit oder mit anderen sozialen Missst\u00e4nden (schlechten Arbeitsbedingungen, ungleicher Lohn f\u00fcr Frauen,\u2026) einhergehen oder welche Kosten f\u00fcr die Umwelt, f\u00fcr Tiere, Pflanzen, f\u00fcr die Erde damit verbunden sind usw. Keinesfalls hat sich das Gebot, nicht zu stehlen, damit er\u00fcbrigt, wie Wolz-Gottwald behauptet, dass man lediglich nicht nimmt, was einem nicht geh\u00f6rt aber weiterhin, wie wir westlichen Menschen es tun, auf Kosten der Umwelt und zuk\u00fcnftiger Generationen konsumiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Aus den ethischen Geboten dr\u00e4ngen sich politische Verhaltensweisen und Forderungen auf, etwa, im Umgang mit Konflikten auf Gewalt zu verzichten, nicht teilzuhaben an milit\u00e4rischer Kriegsf\u00fchrung, auch nicht strukturelle Kriegsvorbereitung zu betreiben, wie es die Bundesrepublik seit Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine in Deutschland macht. Nicht-milit\u00e4rische Verteidigung k\u00f6nnte z.B. in Sozialer Verteidigung bestehen. Es dr\u00e4ngen sich Forderungen nach einer gerechten Verteilung von G\u00fctern und Chancen f\u00fcr alle Menschen auf, egal ob sie schwarze oder braune oder wei\u00dfe Haut haben, egal ob sie aus Kenia, Bolivien oder Deutschland stammen. So betrachtet, steckt in der viel zu wenig beachteten Ethik des Yoga ein enormes zukunftsweisendes Potenzial, mit dem wir nicht nur einen friedvolleren Geist, sondern auch eine friedvollere Welt erschaffen k\u00f6nnen. Und nicht nur die Ethik des Yoga, sondern der gesamte \u00dcbungsweg des Yoga beinhaltet einen neuen Lebensstil, eine ganzheitliche Lebensweise, die uns vor dem Aussterben bewahren kann<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a>.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Ende des Artikeltextes.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Bitte f\u00fcgt in meine Vita vor meiner Homepage-Adresse folgenden Zusatz ein: <br>Zum Thema \u201eYoga und Gesellschaft\u201c erscheint 2025 sein Buch \u201e Der \u00f6kologische Mensch\u201c. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Vielen Dank.<\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"left\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Bertolt Brecht: Lob der Dialektik (1934)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Bettina B\u00e4umer, Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, M\u00fcnchen, Wien, 1985, S.14 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> R. Sriram:Patanjali, Das Yogasutra, Bielefeld 2006, S. 84<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> R. Sriram:Patanjali, Das Yogasutra, Bielefeld 2006, S 91<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Gerard Blitz, Der Yogaweg des Patanjali \u2013 Ein Leitfaden f\u00fcr \u00dcbende und Lehrende, Petersberg o.J., S. 42<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Bettina B\u00e4umer, Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, M\u00fcnchen, Wien, 1985, S. 83<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Der Weg des Yoga, Handbuch f\u00fcr \u00dcbende und Lehrende, HG. BDY, Petersberg 1991, S. 73<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Bettina B\u00e4umer, Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, M\u00fcnchen, Wien, 1985, S.16 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Eckard Wolz-Gottwald, Die Yoga-Sutras im Alltag leben, Petersberg, 2019, S. 84 ff<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Eckard Wolz-Gottwald, Die Yoga-Sutras im Alltag leben, Petersberg, 2019, S. 87<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> Bettina B\u00e4umer, Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, M\u00fcnchen, Wien, 1985, S. 116<\/p>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<h1><strong>Teil 4: Yoga und Sprache&nbsp;<\/strong><\/h1>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>(Ver\u00f6ffentlicht in DYF Heft 5\/2024)<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<\/p><p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Yoga ist ein Weg der Bewusstwerdung und der Kl\u00e4rung des Geistes, sodass wir uns als g\u00f6ttliche Lebewesen erkennen k\u00f6nnen. Damit wir wahrnehmen k\u00f6nnen, wie wir von der allumfassenden Lebenskraft durchdrungen werden, m\u00fcssen wir die Filter beseitigen, die uns daran hindern, dies wahrzunehmen. Und wir m\u00fcssen unsere Erlebnisse benennen k\u00f6nnen. Sonst gleitet unser Blick dar\u00fcber hinweg, ohne dass wir unser Eingewobensein in das Netzwerk des Lebens \u00fcberhaupt bemerken. Wir m\u00fcssen die Faktoren und Strukturen erkennen, die uns an der Wahrnehmung unseres g\u00f6ttlichen Wesens hindern.<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Eines dieser Hindernisse ist unsere Sprache, die wir im Alltag benutzen. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\">\u201e<span style=\"font-size: small;\"><i>Wer in unserer Zeit statt Volk Bev\u00f6lkerung <\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>und statt Boden Landbesitz sagt,<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>unterst\u00fctzt schon viele L\u00fcgen nicht. <\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Er nimmt den W\u00f6rtern ihre faule Mystik.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>(Bertolt Brecht)<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><b>Die geheime Struktur der Sprache<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Was dem Sprechen vorausgeht:<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Sprechen ist niemals neutral. Die Worte, die man benutzt, sind es noch weniger. In Worte flie\u00dft ein bestimmter Blick auf die Welt ein; die Worte, die man w\u00e4hlt, spiegeln eine bestimmte Art wider, die Welt wahrzunehmen. Damit transportieren sie unausgesprochen eine bestimmte Weltanschauung.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Unsere \u00dcberzeugungen \u00fcber das, \u201ewas ist\u201c, sind von unsichtbaren Annahmen geformt, die durch Geschichte, Kultur, soziale Zugeh\u00f6rigkeit und pers\u00f6nliche Erfahrungen beeinflusst sind.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Die vorherrschende Kultur bildet den Ma\u00dfstab f\u00fcr Bewertungen, aus denen sich Kategorien und Stereotypen bilden.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Zugleich erschaffen wir die Welt durch Sprache. Welche W\u00f6rter, Begriffe und Kategorien wir in einer bestimmten politischen \u00d6konomie und Kultur benutzen, entscheidet mit dar\u00fcber, welche Ph\u00e4nomene als bedeutend gelten, ob und wie sie moralisch aufgeladen werden und welche anderen Ph\u00e4nomene unbenannt bleiben und damit ignoriert werden. So formen wir in uns allen und st\u00e4ndig einen Bewertungsrahmen f\u00fcr das, was wir wahrnehmen und f\u00fcr das, was wir <i>nicht<\/i> wahrnehmen. Auf diese Weise filtern wir sehr effizient unsere Wahrnehmung. Dies ist kein rein individuelles Geschehen, sondern ein gesellschaftlicher Vorgang.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Eine vorherrschende Weltsicht ist unglaublich m\u00e4chtig. Sie setzt Ph\u00e4nomene unbemerkt in einen geordneten mentalen Rahmen. Dieser wiederum verdr\u00e4ngt andere, potenziell wichtige Betrachtungsweisen der Welt\u201c, schreiben <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Silke Helfrich und David Bollier<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> .<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese Wahrnehmungsfilter wirken auch in uns, die wir Yoga \u00fcben; und sie m\u00fcssen erkannt und beseitigt werden, wenn wir den Zustand des Yoga, die unmittelbare Erkenntnis durch ungefilterte Wahrnehmung, erreichen wollen. Au\u00dferdem ben\u00f6tigen wir eine Sprache, mit deren Hilfe wir die inneren Prozesse und Wirkmechanismen beschreiben k\u00f6nnen, mit denen wir im Yoga und beim Meditieren konfrontiert sind. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wie schwierig ist es, unseren Liebsten mitzuteilen, was wir z.B. beim Meditieren erleben oder was eine bestimmte Asana-Praxis in uns ausl\u00f6st. H\u00e4ufig fehlen uns daf\u00fcr die geeigneten Worte, die in der Lage sind, die Erfahrungen zu benennen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Sprache ver\u00e4ndert unsere Wahrnehmung<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Weil ich das Wort kenne, nehme ich wahr, was es benennt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wilhelm von Humboldt sagte einst, in jeder Sprache liege \u201eeine eigenth\u00fcmliche Weltsicht\u201c. Wenn dem so ist,<\/span> <span style=\"font-size: medium;\">wie sehr unterscheidet sich dann die Weltsicht von einer Sprache zur anderen?, fragt die Journalistin K\u00fcbra G\u00fcm\u00fcsay<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>, und f\u00e4hrt fort:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Ich will mein immer wiederkehrendes <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Fernweh <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">erkl\u00e4ren oder<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i> Schadenfreude. <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr jeden dieser Begriffe brauche ich in der \u00dcbersetzung (ins T\u00fcrkische, U.F.) ganze S\u00e4tze, bis mein Gegen\u00fcber ansatzweise versteht, was ich gedacht, gemeint oder gef\u00fchlt haben k\u00f6nnte. <\/span><span style=\"color: #000000;\">So leben manche Gef\u00fchle nur in bestimmten Sprachen.<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Sprache \u00f6ffnet uns die Welt und gren<\/span><span style=\"font-size: medium;\">zt sie ein \u2013 im gleichen Moment.\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Menschen, die in zwei oder mehr Sprachen zuhause sind, berichten oft davon, dass sie in jeder der Sprachen eine andere Pers\u00f6nlichkeit haben. Ist das m\u00f6glich? Erwerben wir gar, wie es ein tschechisches Sprichwort besagt, mit jeder Sprache, die wir erlernen, eine neue Seele?, fragt K\u00fcbra G\u00fcm\u00fcsay. \u201eIch spreche, schreibe und denke in drei, ich f\u00fchle in vier Sprachen. Mein Tempo beim Sprechen, mein Ton, meine Gef\u00fchlslage \u00e4ndert sich von Sprache zu Sprache\u201c, bekennt sie.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Unsere Sprache mit ihren grammatischen Strukturen, Regeln und Normen hat Einfluss auf grundlegende Strukturen unserer Wahrnehmung. Sie beeinflusst z.B. unsere Wahrnehmung von Raum. So gibt es in der Sprache der Thaayorre im Norden Australiens keine W\u00f6rter f\u00fcr <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>rechts<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> und <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>links<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">, statt dessen verwenden die Thaayorre Himmelsrichtungen, etwa so:<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i> Da ist eine Ameise an deinem Nordwest-Arm. <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">Oder: <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Kannst du die Tasse bitte nach S\u00fcds\u00fcdost schieben? <\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Unsere Sprache wirkt sich au\u00dferdem auf unsere Wahrnehmung von Zeit aus. So gibt es Kulturen wie die Priaha im Amazonasgebiet Brasiliens, die keine Vergangenheitsformen in ihrer Sprache haben. Ihr Leben und ihre Wahrnehmung ist v\u00f6llig auf die Gegenwart gerichtet. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Und wie erleben wir das Flie\u00dfen der Zeit? Flie\u00dft sie von links nach rechts oder von rechts nach links? Wenn ich einen Menschen, der Deutsch als Muttersprache gelernt hat, bitte, die Bilder einer Person von Geburt bis ins hohe Alter zeitlich zu sortieren, so w\u00fcrde sie vermutlich links mit den Kindheitsbildern beginnen und nach rechts dem Alter nach sortieren. Im Deutschen und in allen aus dem Lateinischen abgeleiteten Sprachen schreiben und lesen wir von links nach rechts. Und entsprechend nehmen wir auch das Flie\u00dfen der Zeit wahr. Hebr\u00e4isch- oder arabischsprachige Menschen w\u00fcrden das Gegenteil tun, also von rechts nach links sortieren. Sie schreiben von rechts nach links. Als ich begann, Arabisch zu lernen, konnte ich im Kopf sp\u00fcren, wie durch die arabische Sprache mein Blick auf die Welt gegen den Strich geb\u00fcrstet wurde. Ich erlebte leiblich, wie mich diese Sprache umformte. W\u00e4hrend ich ein\u00fcbte, von rechts nach links zu schreiben, f\u00fchlte ich, wie die Richtung meines inneren Sehens und meines Gedankenflusses irritiert wurde und sich allm\u00e4hlich ver\u00e4nderte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber wie w\u00fcrden die Thaayorre die Bilder sortieren? Die Antwort lautet: mal von links nach rechts, mal von rechts nach links, mal von vorne nach hinten, mal von hinten nach vorne \u2013 je nachdem, wie die Versuchsperson gerade sitzt. S\u00e4\u00dfe sie nach Norden ausgerichtet, w\u00fcrde sie die Bilder von rechts nach links sortieren. W\u00fcrde sie sich in eine andere Richtung drehen, w\u00fcrde sie auch andersherum sortieren. In ihrer Wahrnehmung dient nicht das eigene Ich als Bezugsrahmen, sondern die sie umgebende Natur, einer Landkarte vergleichbar, in der sie als Person einen Punkt darstellen \u2013 wohingegen wir es gewohnt sind, Raum und Zeit als Linie wahrzunehmen, die ihren Ausgangspunkt im Ich der Person hat. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Vergleich wird deutlich, wie uns eine bestimmte Sicht auf die Welt anerzogen wird. Alles dreht sich in der sogenannten zivilisierten Welt um uns Menschen, genauer: um das eigene Ich und seine individuelle Wahrnehmung. \u201eWie w\u00e4re es\u201c, fragt K\u00fcbra G\u00fcm\u00fcsay, \u201ewenn wir eine Sprache wie die Thaayorre spr\u00e4chen, die uns st\u00e4ndig daran erinnert, dass wir nichts anderes sind als ein kleiner Punkt auf einer riesengro\u00dfen Karte; dass die Zeit \u00fcber uns hinwegflie\u00dft, unabh\u00e4ngig vom Standpunkt des Ichs? Mit welchen Grunds\u00e4tzen, welcher Demut w\u00fcrden wir andere Menschen, Lebewesen, die Natur betrachten?\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Wenn ich meditiere, dann geschieht es mir gelegentlich, dass sich mein Ich zu einem Punkt zusammenzieht, w\u00e4hrend mein Erleben sich weit \u00fcber meine sichtbare K\u00f6rpergrenze hinaus ausdehnt. Durch diese Erlebnis-Weite flie\u00dfen mir meine inneren Bilder entgegen, manchmal von links nach rechts, manchmal von schr\u00e4g vorn; aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen sie zu mir und flie\u00dfen durch mich hindurch. Meine Gef\u00fchle hingegen breiten sich von dem Punkt in der Mitte heraus in konzentrischen Kreisen aus, bis sie manchmal mein gesamtes Erleben ausf\u00fcllen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Welche Relevanz hat die Beobachtung der Flie\u00dfrichtung f\u00fcr unser Leben, f\u00fcr unsere Yoga-Praxis?<\/span><b> <\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Zuerst einmal lenkt sie unsere Aufmerksamkeit auf Ph\u00e4nomene, die in unserer Innenwelt stattfinden. Wir k\u00f6nnen erkennen, dass unser innerer Raum nicht leer ist, sondern ein Ort vielf\u00e4ltiger Geschehnisse, die wir beobachten k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Sodann bietet sie f\u00fcr unsere Erlebnisse beim Meditieren einen Bezugsrahmen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere geistigen Bewegungen (Patanjali nennt sie <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>citta<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">) richten<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>, <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">k\u00f6nnen wir unterschiedliche Flie\u00dfrichtungen wahrnehmen: in meinem Beispiel nicht mehr nur von links nach rechts, sondern auch von der Peripherie zur Mitte. Und wenn wir ein\u00fcben, die Welt nicht nur aus der Ich-zentrierten Wahrnehmung heraus zu betrachten, sondern ebenso wahrnehmen, wie die \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c Einfl\u00fcsse auf unsere geistige Aktivit\u00e4t wirken, dann erleben wir die Flie\u00dfrichtung zus\u00e4tzlich auch von au\u00dfen nach innen. Gelingt es mir schlie\u00dflich, den gesamten Prozess der Wechselwirkung zwischen mir und meiner Mitwelt zu betrachten, so erlebe ich verschiedene Flie\u00dfrichtungen zur selben Zeit in mir. W\u00e4hrend dieser Beobachtungen befinde ich mich au\u00dferhalb der flie\u00dfenden Str\u00f6me, nur noch durchpulst von der puren Lebenskraft, die nicht in mir ihren Ursprung hat, sondern an der ich teilhabe, vielleicht vergleichbar mit den Thaayorre, wenn sie sich als Punkt empfinden, eingebettet in die Natur. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><i>I<\/i><span style=\"font-size: small;\"><i>n unserer Sprache gilt die Regel: 99 S\u00e4ngerinnen<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>und 1 S\u00e4nger sind zusammen 100 S\u00e4nger.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Futsch sind die 99 Frauen, nicht mehr auffindbar,<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>verschwunden in der M\u00e4nnerschublade.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\">(Luise F. Pusch)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Unsere Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung in der Gegenwart. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Stellen wir uns folgendes vor: Ein Vater und ein Sohn sind mit dem Auto unterwegs und haben einen Unfall. Der Vater stirbt w\u00e4hrend der Fahrt zum Krankenhaus, der Sohn muss sofort operiert werden. Bei seinem Anblick jedoch erblasst einer der diensthabenden Chirurgen und sagt: \u201eIch kann ihn nicht operieren \u2013 das ist mein Sohn.\u201c Wer ist diese Person? Die Wissenschaftlerin Dr. Annabell Preussler verwendet dieses Beispiel, um zu verdeutlichen, welche Bilder sich aufgrund unseres Sprachgebrauchs in unseren K\u00f6pfen festsetzen. Die Antwort lautet: Es ist die Mutter. Doch auch in dieser Antwort steckt eine heteronormative Vorstellung. Es k\u00f6nnte sich ebenso um eine homosexuelle Partnerschaft handeln; ein Kind k\u00f6nnte also zwei V\u00e4ter haben, oder auch einen biologischen und einen sozialen Vater. Aber diese M\u00f6glichkeiten werden in der Regel nicht mitgedacht. Unsere Sprache, die Menschen nach ihrem biologischen Geschlecht kategorisiert, l\u00e4sst uns sogleich bestimmte Rollenbilder und Merkmale mitdenken. Dadurch erschwert sie, Menschen in ihren Eigenarten zu betrachten, und zuerst ihr Wesen und ihre Besonderheiten zu erfassen, anstatt sie sogleich in Kategorien Mann oder Frau zu pressen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Im Yoga haben wir gelernt, dass es um die Qualit\u00e4t der Wahrnehmung geht und darauf ankommt, die Schleier zu beseitigen, die unser Wahrnehmen beeintr\u00e4chtigen. Was wir leicht \u00fcbersehen ist, dass bereits in der Sprache bestimmte Schleier eingebaut sind. Was wir au\u00dferdem leicht \u00fcbersehen ist, dass bereits die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe die jeweilige Wahrnehmung beeinflusst \u2013 und zwar durch Zuschreibungen von au\u00dfen! Dabei spielt es eine gro\u00dfe Rolle, ob man zu der bei uns vorherrschenden Kultur der alten wei\u00dfen M\u00e4nner gez\u00e4hlt wird (die manche Politiker als sog. \u201eLeitkultur\u201c verpflichtend f\u00fcr alle Menschen in der Bundesrepublik machen wollen) oder zu einer gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppe. Geh\u00f6rt man zur Norm oder weicht man davon ab?<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Durch die Kategorien und Stereotypen, durch eingeb\u00fcrgerte Vorurteile mit festen Vorstellungsklischees, in die wir jeweils gepresst werden. Zwar k\u00f6nnen wir durch unsere Yoga- und Meditationspraxis unsere eigenen Vorurteile und Stereotypen erkennen und abbauen. Aber trotzdem wirken sie weiter auf unser Leben ein.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Der afroamerikanische Psychologe Claude Steele beschreibt den Einfluss, den gesellschaftliche Stereotypen auf die betroffenen Gruppen haben. Er fand heraus, dass die Angst, negativen Stereotypen zu entsprechen, dazu f\u00fchren kann, dass genau das Prophezeite eintritt. Soziale Identit\u00e4t beeinflusst schulische Leistungen und das Erinnerungsverm\u00f6gen. Sie wirkt sich darauf aus, unter welchem Beweisdruck Menschen stehen und wie entspannt sie sich in einer bestimmten Umgebung f\u00fchlen. Dabei zeigte er, dass allein das Wissen um die Existenz von negativen Annahmen \u00fcber die eigene soziale Gruppe Einfluss auf die Leistungsf\u00e4higkeit von Menschen hat. Dabei wirken die negativen Zuschreibungen der Stereotypen unabh\u00e4ngig von der Anwesenheit Einzelner, die diese Stereotypen f\u00fcr richtig halten. Sie wirken bereits dadurch, weil sie in der Gesellschaft existieren und weil die Betroffenen das wissen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Soziale Herkunft, Hautfarbe und Geschlechtszuordnung sowie Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse pr\u00e4gen die Wahrnehmung und damit die Sprache. Sie pr\u00e4gen auch unser Verst\u00e4ndnis als Yoga-\u00dcbende und Yoga-Lehrende. Inwieweit pr\u00e4gen sie unser Verst\u00e4ndnis von dem, was wir unter Yoga verstehen?<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">Diese Pr\u00e4gungen finden statt, noch bevor wir \u00fcberhaupt in der Lage sind, dies bewusst wahrzunehmen. Sie erm\u00f6glichen oder verwehren bestimmte Entfaltungsm\u00f6glichkeiten. Dies l\u00e4sst sich nicht allein durch Kl\u00e4rung des Geistes ver\u00e4ndern, sondern durch die Schaffung gerechter Lebensverh\u00e4ltnisse und gleicher Entwicklungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Menschen!<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">In der Sprache dr\u00fccken wir unsere (meist falschen) Vorstellungen von uns selbst und von der Welt aus und erschaffen die heutigen Zust\u00e4nde st\u00e4ndig neu. Wir k\u00f6nnen aber auch durch mehr Achtsamkeit und durch eine ungetr\u00fcbte Wahrnehmung ein anderes Weltverst\u00e4ndnis erschaffen. Der erste Schritt dazu ist, die im Verborgenen liegenden Grund\u00fcberzeugungen, die sich in unsrer Sprache niederschlagen, zu erkennen, zu \u00fcberpr\u00fcfen und neu zu formulieren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Schaffen wir neue Sprachbilder, in denen wir beschreiben, wie es sich anf\u00fchlt, wenn der Geist ruhig und klar ist, wenn die Gef\u00fchle lebendig und ausgeglichen sind und wenn der Leib prickelt vor Lebenskraft. Schaffen wir neue Sprachbilder, in denen wir ausdr\u00fccken, dass alles miteinander verbunden ist, dass die Dinge und Lebewesen gegenseitig voneinander abh\u00e4ngig sind, dass wir als Menschen Teil eines \u00f6kologischen Netzes sind und dass unser Wohlergehen vom Wohlergehen aller Lebewesen abh\u00e4ngig ist!<\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Bertolt Brecht, \u201eF\u00fcnf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit\u201c, <i>Unsere Zeit <\/i>8, Nr. 2\/3 (1935), S. 23 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Silke Helfrich, David Bollier: Frei, Fair und Lebendig \u2013 die Macht der Commons, Bielefeld 2020, S. 35<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> K\u00fcbra G\u00fcm\u00fcsay, Sprache und Sein, M\u00fcnchen 2021, S. 13<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> K\u00fcbra G\u00fcm\u00fcsay, Sprache und Sein, M\u00fcnchen 2021, S. 18 ff<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Luise F. Pusch, Alle Menschen werden Schwestern. Feministische Sprachkritik, Frankfurt 1990 S. 101 in: G\u00fcm\u00fcsay, 2021, S. 18<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Claude Steele, Whistling Vivaldi. How Stereotypes Affect Us and What We Can Do, New York, 2011, in: G\u00fcm\u00fcsay 2021, S.103 f<\/p>\n<\/div>\n<h2><strong><br>Teil 3:Yoga und Wahrnehmung&nbsp;<\/strong><\/h2>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>(Ver\u00f6ffentlicht in DYF, Heft 4\/2024)<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Die Qualit\u00e4t des Wahrnehmens ist der Schl\u00fcssel zu Erkenntnis und Erleuchtung. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Zugleich ist Wahrnehmen kein rein individueller Vorgang, sondern ein ganz und gar gesellschaftliches Geschehen. Wahrnehmung pr\u00e4gt unser Erleben, F\u00fchlen und Denken, ohne dass wir uns dessen in seinem Umfang und seiner Tragweite bewusst w\u00e4ren.<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\">\u201e<span style=\"font-size: small;\"><i>Wenn eine Person im Yoga gefestigt ist, <\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>erkennt sie in allen Wesen sich selbst, <\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>und in sich selbst alle Wesen.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-size: small;\"><i>(Bhaghavad Gita, 6.29)<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Einleitung<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr das Erkennen von sich und der Welt spielen drei Faktoren eine zentrale Rolle: die Menge und Qualit\u00e4t der Bewegungen, die Qualit\u00e4t der Wahrnehmung sowie die Reflexion \u00fcber das Erlebte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Das bewusste Erleben gewohnter und neuer Bewegungsweisen erm\u00f6glicht, die eigenen Begrenzungen zu erkennen und zu \u00fcberschreiten. Bewusstes Erleben erm\u00f6glicht zudem, ungenutzte M\u00f6glichkeiten als Individuum wie auch als Gesellschaft auszuloten. Dies ist besonders in Umbruchzeiten wie der heutigen eine unabdingbare Voraussetzung daf\u00fcr, dass wir unser Leben und Zusammenleben zukunftserhaltend gestalten k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">K\u00f6rperliche Bewegungen spielen eine zentrale Rolle bei der Verfeinerung der Wahrnehmung und damit f\u00fcr die Entwicklung von Bewusstsein.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Der g\u00f6ttliche Funke, der in die Materie herabgestiegen ist, wie Singh in seiner metaphorischen Zusammenfassung zu den Spanda-Karikas-Sutras geschrieben hat<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a>, beginnt seine Reise heimw\u00e4rts, indem er sich seines falschen Bildes bewusst wird, das er sich von sich selbst und der Welt gemacht hat. Nur auf der menschlichen Ebene, im grobstofflichen und feinstofflichen menschlichen K\u00f6rper, kann der Aufstieg zum g\u00f6ttlichen Status beginnen, betont Singh.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieser Bewusstwerdungsprozess geschieht im eigenen Leib und mit Hilfe des eigenen Leibes. Nur dort kann er geschehen. Denn k\u00f6rperliche Bewegungen erm\u00f6glichen Erfahrungen mit sich und der Welt und bilden damit das Erlebnisfeld, in dem sich bewusstes Wahrnehmen entfalten kann. Es ist ein Bewusstwerdungsprozess, der durch den K\u00f6rper hindurch geschieht und bei dem sich die Empfindungsf\u00e4higkeit und die Wahrnehmung auf immer weitere Bereiche ausdehnt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">K\u00f6rperliche Bewegungen pr\u00e4gen unser Verst\u00e4ndnis von der Welt, und sie pr\u00e4gen unser Selbstbild. Das Erlebte in Form von k\u00f6rperlichen Empfindungen wird als Erfahrung abgespeichert und verdichtet sich zu Bewegungs- und Verhaltensmustern, die wiederum zu Gewohnheiten <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">werden und zugleich<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> die Grundlage f\u00fcr den Umgang mit zuk\u00fcnftigen Situationen bilden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Die Blinden und der Elefant<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Seit meiner Yoga-Lehrausbildung begleitet mich folgende Geschichte: <\/span><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcnf Blinde stehen vor einem Elefanten und versuchen durch Ertasten herauszufinden, um was f\u00fcr ein Objekt es sich dabei handelt. Der eine tastet am Vorderfu\u00df des Elefanten. \u201eOh, es ist ein Baum,\u201c stellt er fest. Der zweite h\u00e4lt den Schwanz des Elefanten in der Hand. \u201eNein, es ist ein Wedel.\u201c Der dritte bef\u00fchlt einen der beiden Sto\u00dfz\u00e4hne. \u201eNein, es ist ein Ast! \u201c \u201eFalsch, es ist eine riesige Masse mit Rundungen und ein paar Borsten darauf,\u201c entgegnet der, der den Rumpf des Tieres ber\u00fchrt hat. \u201eWas redet ihr \u2013 es ist wie ein riesiger F\u00e4cher\u201c, f\u00e4hrt der f\u00fcnfte Blinde dazwischen. Er hat das Ohr des Elefanten ertastet. Schlie\u00dflich beginnen sie dar\u00fcber zu streiten, wer von ihnen Recht hat.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Schnell wird uns klar, dass alle f\u00fcnf nur einen Teil der Wahrheit erfasst und sich aus ihrer jeweils eigenen Perspektive eine Deutung zurecht gelegt haben. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">In unsere Zeit \u00fcbertragen kommt der Vielzahl der unterschiedlichen Einzelperspektiven eine gro\u00dfe Bedeutung zu. Nur durch m\u00f6glichst viele verschiedene Blickwinkel von vielen unterschiedlichen Menschen aus divergierenden Lebensmilieus und durch eine freie Kommunikation \u00fcber die gemachten Erfahrungen l\u00e4sst sich eine der Wirklichkeit n\u00e4her kommende Deutung der Situation erstellen. Voraussetzung ist aber, dass \u00fcber die gesammelten Erlebnisse geredet wird und dass alle die gleichen Redeanteile und die gleiche Wertsch\u00e4tzung erhalten. Keines der Erlebnisse mit der daraus gewonnenen Deutung darf einer anderen Deutung untergeordnet werden. Vielmehr sollte, wie dies z. B. in B\u00fcrgerr\u00e4ten zu gesellschaftlichen Themen bereits ansatzweise geschieht<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>, aus einem umfassenden Meinungsbildungsprozess ein Konsens erstellt werden, in dem sich alle wieder- finden k\u00f6nnen und es keine durch Kampfabstimmungen erzeugte Sieger und Besiegte gibt. Doch wie wir wissen, sieht unsere Welt oft anders aus. Die Einflussm\u00f6glichkeiten sind ungleich verteilt, die Medienmacht liegt in den H\u00e4nden einiger weniger, sogar die Rede von einer sogenannten Leitkultur flammt wieder auf, der sich andere Menschen unterzuordnen h\u00e4tten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese subtilen und machtvollen Pr\u00e4gungen der gesellschaftlichen Einflussnahme gilt es zu erkennen, auch dies geh\u00f6rt zum Bewusstwerdungs- und Erkenntnisprozess von Yoga-Praktizierenden, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber: Sind wir Menschen prinzipiell in der Lage, die ganze Wahrheit zu erkennen? Wo liegen die Grenzen unserer Erkenntnisf\u00e4higkeit? Gibt es \u00fcberhaupt solche Grenzen? <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Nein, sagt Patanjali, die Grenzen bestehen nur aus Tr\u00fcbungen der Wahrnehmung und aus daraus gezogenen falschen Schlussfolgerungen. Wir sind in der Lage, vollkommen klar zu erkennen, wenn wir unseren Geist kl\u00e4ren, indem wir eine \u201egleichm\u00fctige Wunschlosigkeit gepaart mit klarer Wahrnehmung\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>(YS 4.29) entwickeln. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Yoga nennen wir diese Qualit\u00e4t des Wahrnehmens \u201eunmittelbares\u201c Wahrnehmen, eine Wahrnehmung, die nicht durch die Filter wie z. B. Konzepte, Kategorien oder Vorurteile gepr\u00e4gt ist. Diese Qualit\u00e4t setzt die F\u00e4higkeit frei, etwas ungetr\u00fcbt wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Das ist der Zustand des Yoga. Dann k\u00f6nnen wir klar erkennen, \u201edann ruht der Sehende (drastuh)<\/span> <span style=\"font-size: medium;\">in seiner Wesensidentit\u00e4t\u201c(YS 1.3)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>. In diesem Yoga-Zustand, schreibt Desikachar, \u201escheint in uns die F\u00e4higkeit auf, etwas vollst\u00e4ndig und richtig zu erkennen\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a>. Bettina B\u00e4umer \u00fcbersetzt drasta, den \u201eSehenden\u201c als die \u201eEnergie der Schau\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a>, als die \u201eEnergie der Erleuchtung\u201c, wobei der \u201eSehende\u201c nichts anderes ist als die Energie des Wahrnehmens.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Wahrnehmung<\/b><\/span><b> <\/b><span style=\"font-size: medium;\"><b>ist keine Operation des Verstandes.<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Wahrnehmung ist Pr\u00e4senzbewusstsein<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a>.<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Der franz\u00f6sische Psychologe und Philosoph Maurice Merleau-Ponty weist auf einen anderen wichtigen Aspekt hin, der uns an einer ungetr\u00fcbten Wahrnehmung hindert. Er stellt nicht nur die Interpretation dessen in Frage, was wir wahrnehmen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Bezogen auf das Beispiel der f\u00fcnf Blinden, die den Elefanten an verschiedenen Stellen abgetastet hatten und zu v\u00f6llig verschiedenen Bezeichnungen kamen, w\u00fcrde ihm als Ergebnis nicht gen\u00fcgen, dass es sich beim Ertasteten um einen Elefanten handelte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Vielmehr stellt er die Kategorien insgesamt, mit denen wir Gegenst\u00e4nde bezeichnen, in Frage. Mehr noch: Er stellt das objektive Denken in Frage. Damit meint er ein Denken, das die Dinge in der Welt zum Objekt macht und zu Dingen, die \u201ean sich\u201c existieren; ein Denken, das die Dinge aus ihrer konkreten leiblichen Existenz l\u00f6st und zu Abstraktionen verk\u00fcrzt. Dabei geht verloren, dass die Dinge leiblich durch ein Gef\u00fcge von Strukturen in die Welt eingebettet sind und einen Ursprung und einen Grund haben. Aus lebendigen, leiblichen Existenzen werden tote Gegenst\u00e4nde und abstrakte Inhalte.<\/span><b> <\/b><span style=\"font-size: medium;\">Zugleich wird die leibliche Wahrnehmung ausgeblendet und auf eine T\u00e4tigkeit des Verstandes reduziert. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Das objektive Denken baut sich eine Welt unabh\u00e4ngig von der urspr\u00fcnglichen leiblich situierten Existenz. Die Menschen werden zum Objekt gemacht, zum Beispiel zur Arbeitskraft oder zum Konsument. Ihre leibliche Existenz als Lebewesen mit Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen wird nicht mehr erfasst. Sinnliche Erlebnisse und alle Dinge werden aus ihren Entstehungsbedingungen herausgel\u00f6st und von ihrem Ursprung und ihrem Grund, warum und wie sie bestehen, getrennt. Der Bezug zur Welt wird abgeschnitten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Nehmen wir als Beispiel die zu Recht kritisierte Redeweise vom \u201eAusbruch\u201c des Krieges. Ein Krieg kann nicht aus dem Nichts entstehen. Damit er m\u00f6glich wird, muss es in sogenannten Friedenszeiten Kriegsstrukturen geben. Diese k\u00f6nnen unbemerkt, unbewusst, verborgen bleiben oder bewusst unter der Decke gehalten werden. Sie besitzen jedoch als Strukturen eine latente Wirksamkeit, die fl\u00e4chendeckend die Landschaft des Lebens, den Alltag durchziehen. Die Strukturen des Krieges sind eingebettet in die Strukturen unseres Denkens und Verhaltens. Diese Strukturen reichen bis in die Sprache hinein. \u201eGewehr bei Fu\u00df\u201c stehen, eine \u201eFlanke\u201c bieten, zum \u201eAngriff\u201c \u00fcbergehen, sind nur einige Beispiele daf\u00fcr. Zu den Kriegsstrukturen geh\u00f6rt auch, dass andere Formen der Verteidigung, z.B. soziale Verteidigung<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>, nicht in Betracht gezogen werden. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Das konstruierte Objekt \u201eKrieg\u201c existiert also nicht losgel\u00f6st als Ding \u201ean sich\u201c, sondern ist in eine umfassende Denk- und Verhaltensstruktur eingebettet. Diese Struktur basiert auf Aktivit\u00e4ten des Bewusstseins, das aus leiblichen Dingen Objekte konstruiert. Argumente wie die \u201eaggressiven Absichten des Feindes\u201c oder die \u201egerechte Sache der eigenen Position\u201c sind Objektivierungen, mit deren Hilfe ein bestimmtes Bild von der Welt, von den gesellschaftlichen und politischen Verh\u00e4ltnissen gebildet und verfestigt wird. Um diesen Mechanismus zu durchbrechen, muss das objektivierende Denken selbst hinterfragt werden. Wie und wann entsteht es, wem nutzt es, und welche Alternativen zu dieser Art der Weltbeschreibung k\u00f6nnen wir entwickeln?<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Notwendig ist, hinter das objektive Denken zu schauen, es gewisserma\u00dfen zu durchsto\u00dfen, damit die ihm zugrunde liegende Erfahrung freigelegt werden kann. Damit r\u00fcckt die Wahrnehmung selbst in den Mittelpunkt der Untersuchung. Denn Wahrnehmung, so schreibt Merleau-Ponty, ist keine Operation des Verstandes, sondern \u00fcber den Leib vermittelt. Bevor wir auch nur den kleinsten Gedanken fassen, bevor wir zu reflektieren und zu urteilen beginnen, bevor wir als Kind anfangen zu sprechen, ist unsere leibliche Existenz schon in ein Milieu und eine Atmosph\u00e4re unserer sozialen und kulturellen Mitwelt verwoben. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Geflecht von Beziehungen und von Zusammenh\u00e4ngen \u2013 nicht zuf\u00e4llig dr\u00e4ngt sich Yoga-\u00dcbenden der Begriff <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>tantra<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> auf \u2013 pr\u00e4gt die Art, wie wir wahrnehmen und schreibt sich in unseren Leib, in K\u00f6rper und Geist ein, meist ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Aber der Leib kann uns wieder diese andere Dimension von Weltzugang, von Verflochten-sein mit der Welt, erschlie\u00dfen, indem wir seine K\u00f6rpersignale f\u00fchlen, wahrnehmen und dar\u00fcber reflektieren. Und er kann uns eine Ebene von Erkenntnis er\u00f6ffnen, die dem blo\u00dfen Verstand unzug\u00e4nglich bleibt. Auf diese Weise kann die Grundstruktur eines Bewusstseins, das die Welt in losgel\u00f6ste Objekte zerteilt, aufgehoben werden. Was k\u00f6nnen wir dann entdecken? Was finden wir, wenn wir unsere <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Aufmerksamkeit darauf richten, was <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>vor <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">den objektbildenden Aktivit\u00e4ten des Bewusstseins liegt?<\/span><b> <\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Die indigene Aktivistin und Juristin Sherri Mitchell vom Stamm Penawahpskek im Osten Nordamerikas beschreibt folgendes Erlebnis: \u201eEs war ein warmer Fr\u00fchlingstag und ich sa\u00df in meditativem Zustand im Garten. Zu jener Zeit lernte ich, der Energie nachzusp\u00fcren. Mehrere Monate lang hatte ich meine F\u00e4higkeit vertieft, die Lebenskraft wahrzunehmen, die unsere Welt durchdringt. Als ich dasa\u00df, bemerkte ich eine kleine Ameise, die an einem Grashalm entlang krabbelte. W\u00e4hrend ich die Ameise auf ihrem Weg betrachtete, begann ihr kleiner K\u00f6rper aufzuleuchten. Gleich darauf leuchtete auch der Grashalm, auf dem sie kletterte. Meine ganze Umgebung begann zu leuchten, w\u00e4hrend ich dasa\u00df und zuschaute. Ich hob langsam die Augen, und das ganze Feld leuchtete, so auch die B\u00e4ume, die auf der anderen Seite des Feldes den Waldrand s\u00e4umten. Jeder Vogel, der mein Sichtfeld kreuzte, war von einer zus\u00e4tzlichen Schicht aus Licht umgeben. Ich sa\u00df ganz still da und staunte leise \u00fcber diese neu gefundene Wahrnehmung \u2013 besorgt sie zu verlieren, solle ich mich bewegen. W\u00e4hrend ich so meine neu erleuchtete Welt beobachtete, bemerkte ich etwas Faszinierendes. Das Lichtfeld, in dem ich sa\u00df, erhob sich und senkte sich gleichm\u00e4\u00dfig. W\u00e4hrend ich so der Erde um mich herum beim Atmen zusah, sp\u00fcrte ich, wie sich mein eigener Atem einstimmte. Alles wurde sch\u00e4rfer; meine Sinne erwachten zum Leben. W\u00e4hrend ich dasa\u00df und mit der Welt um mich herum atmete, l\u00f6sten sich die festen Grenzen meines Seins langsam auf. Ich f\u00fchlte, wie ich mich ausdehnte und mit all dem, was ich beobachtete, zusammenfloss. Es gab pl\u00f6tzlich keine Trennung mehr zwischen mir, der Ameise, der Wiese, den B\u00e4umen, den V\u00f6geln. Wir atmeten mit einem Atem, in uns schlug der Puls eines Herzens.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr Sherri Mitchell ist die Pflege und das Ein\u00fcben dieses Zustandes ein wesentlicher Teil ihres Engagements f\u00fcr Umweltgerechtigkeit und internationale Menschenrechte. Er ist eine Haltung, die zu einer grundlegenden individuellen und gesellschaftlichen Ver\u00e4nderung f\u00fchren kann: zu einem neuen Selbstverst\u00e4ndnis und einer respektvollen Verbindung mit allem Lebendigen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr das Erlangen dieser Haltung kann Yoga eine systematische \u00dcbungspraxis bieten. Hierin liegt die gro\u00dfe gesellschaftspolitische Bedeutung von Yoga. Wenn wir unsere geistigen Bewegungen zur Ruhe kommen lassen und uns diesem Zustand, bevor unser Bewusstsein die Erlebnisse zu Objekten bildet, aufmerksam hingeben, dann entdecken wir das Geflecht der Welt, die Beziehungen zwischen den Lebewesen, die Beziehung zwischen den Dingen, die \u00d6kologie der Natur und unsere Verwandtschaft mit der gesamten Sch\u00f6pfung. Wir entdecken den \u00f6kologischen Menschen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a>, der selbst aus einem Geflecht vielz\u00e4hliger Lebewesen besteht und in die Mitwelt innig verwoben ist. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">Mit Hilfe ver\u00e4nderten Wahrnehmens gelangen wir zu einem ver\u00e4nderten Denken, das an die leibliche Wahrnehmung r\u00fcckgebunden ist und zugleich \u00fcber ein transzendentes Verst\u00e4ndnis verf\u00fcgt.<\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Ulrich Fritsch, Yoga und das Erkennen der Welt \u2013 Bewegung als Schl\u00fcssel zur Erkenntnis, in: . DYF 3\/2024<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Jaideva Singh, Spanda Karikas \u2013 vom Pulsieren der Sch\u00f6pfung, 2008, S. 92-93<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> demokratie, Ausgabe 02.2023 S.36f, w<span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><u><a href=\"http:\/\/Www.mehr-demokratie.de\/\">ww.mehr-demokratie.de<\/a><\/u><\/span><\/span>,<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Sriram, Yogasutra Patanjali, Beerfelden 2003, S. 161<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Bettina B\u00e4umer, Patanjali \u2013 Die Wurzeln des Yoga, 1985, S. 21<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> T.K.V. Desikachar, \u00dcber Freiheit und Meditation \u2013 das Yoga Sutra des Patanjali, Petersberg 1997, S. 23<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Patanjali, De Wurzeln des Yoga, S. 106 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"left\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Ebenda S. 113<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> N\u00e4here Informationen bei: <span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><u><a href=\"http:\/\/www.soziale-verteidigung.de\/\">www.soziale-verteidigung.de<\/a><\/u><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Sherri Mitchell, Aktivismus hei\u00dft Verbindung \u2013 Indigene Weisungen zur Heilung der Welt, Hiddensee 2020,<\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\">S. 28-29<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> Ulrich Fritsch, Der \u00d6kologische Mensch&nbsp; Selbstverlag, (in Vorbereitung)<\/p>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<h2>Teil 2: Yoga und das Erkennen der Welt \u2013 Bewegung als Schl\u00fcssel zur Erkenntnis<\/h2>\n<h2><span style=\"color: initial; font-size: 18px;\">(ver\u00f6ffentlicht DYF Heft 3\/2024)<\/span><\/h2>\n<h3>Bewusstsein f\u00e4llt nicht vom Himmel<\/h3>\n<p>Bewusstsein steigt nicht herab und landet im Leib.<br>Eines meiner liebsten Sinnbilder hat der indische Musikwissenschaftler und Philosoph Jaideva<br>Singh verfasst, als er einen Kommentar von Ksemaraja zu den Spanda-Karikas-Sutras seines<br>Lehrers Vasugupta folgenderma\u00dfen zusammengefasst hat:<br>\u201eEin Funke des g\u00f6ttlichen Feuers steigt in die Materie herab und vergisst seinen g\u00f6ttlichen<br>Ursprung. Wie ein Verbannter wandert er durch ferne L\u00e4nder und verschiedene Formen. Im<br>Menschen erreicht er die Gabe der Sprache und des Denkens. (\u2026) Doch eine Zeit kommt, in der er<br>von Heimweh erf\u00fcllt ist, und nun beginnt seine Reise heimw\u00e4rts. Er muss nicht sehr weit gehen. Er<br>braucht nur die Maske seines Pseudo-Ichs wegzuwerfen und in sein wesenhaftes Ich einzutreten,<br>das spanda ist, der Herzschlag von Shiva, und er wird zu dem, der er schon war. Das Universum ist<br>nun nicht l\u00e4nger ein fremdes Land. Das Ich und das Dies, das Subjekt und das Objekt werden eins. Das ist eine Erfahrung, f\u00fcr die es in der menschlichen Sprache keine Worte gibt.\u201c(Singh, Jaideva: Spanda-Karikas, Vom Pulsieren der Sch\u00f6pfung, 2008, S.201f)&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Dieses Sinnbild erinnert mich an das Versteck-Spielen von Kindern. Und genial ist der Gedanke, <span style=\"font-size: revert; color: initial;\">dass das Leben als Funke des g\u00f6ttlichen Feuers mit sich selbst Verstecken spielt, sich<\/span><br>gewisserma\u00dfen selbst die Augen zuh\u00e4lt, um nicht gesehen zu werden und sich dann auf den Wegmacht, um die versteckten Spielgef\u00e4hrten (die es wiederum selbst ist) zu suchen.In wunderbar poetischer Weise hat Singh den Erkenntnisprozess, durch den der Mensch zum <span style=\"color: initial;\">Erleben der Einheit mit der Welt gelangt, beschrieben: das Assimilieren, das Durchdringen des <\/span><span style=\"color: initial;\">K\u00f6rpers mit allem was existiert, von allen Lebewesen auf der Erde bis zum Urquell des Lebens, der <\/span><span style=\"color: initial;\">Lebenskraft. Und diese Erkenntnis f\u00e4llt nicht vom Himmel in ihn herab, gewisserma\u00dfen als <\/span><span style=\"color: initial;\">g\u00f6ttlicher Gnadenakt, sondern zu dieser Erkenntnis gelangt er durch eigenes Tun.<\/span><\/p>\n<p>Im Grunde muss er nicht viel machen. Er braucht sich nur von der falschen Vorstellung l\u00f6sen, die er<br>sich von sich selbst und der Welt gemacht hat, indem er sp\u00fcrt, wie das Leben durch jede Zelle<br>seines Leibes pulsiert. Es ist dieselbe Lebenskraft, die auch alle anderen Lebewesen durchdringt.<br>Vasugupta nennt sie spana, Herzschlag von Shiva. Indem er als leibliche Erfahrung erkannt hat,<br>dass dieselbe Lebenskraft seinen Leib und alle anderen Lebewesen durchdringt, dass sein Leib<br>inniglich verwoben ist mit der Welt, hat er die Trennung von Subjekt und Objekt, von innen und<br>au\u00dfen aufgel\u00f6st und als Illusion erkannt und ist auf diese Weise zur h\u00f6chsten Herrschaft \u00fcber seinen<br>K\u00f6rper gelangt.<br>Wohl gemerkt: es ist ein Sinnbild, das Singh beschreibt. Gemeint ist, wie Ksemaraja zuvor<br>ausgef\u00fchrt hat, dass das Individuum, dass der Mensch seine eigene wesenhafte Natur durch die<br>Bewusstmachung seines Leibes erkennt. Des Leibes, der sowohl aus seinem materiellen K\u00f6rper als<br>auch aus seinen immateriellen Anteilen, seinem Geist besteht.<br>Was wissen wir heute \u00fcber die einzelnen Schritte dieses Erkenntnisprozesses?<br>Wie findet dieses Erkennen statt? Handelt es sich um einen rein geistigen Vorgang?<\/p>\n<h3>Welche Rolle spielt dabei der K\u00f6rper?<\/h3>\n<p>Der Sportwissenschaftler Elk Franke, Prof. e.m. der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt hat<br>untersucht, wie wir zu Wissen und Erkenntnis gelangen. Wissen und Erkenntnis, so Franke,<br>entstehen durch k\u00f6rperliche Bewegung. Denn k\u00f6rperliche Bewegungen erm\u00f6glichen Erfahrungen,<br>die ihrerseits unser Verst\u00e4ndnis von der Welt pr\u00e4gen. Sie legen die Grundlagen f\u00fcr unser Denken<br>und Verhalten: \u201eBewegung in einem r\u00e4umlichen und geistigen Sinne ist deshalb eine<br>Grundbedingung menschlichen Wissenserwerbs\u201c. (Elk, Franke: Bildsamkeit des K\u00f6rpers, in: Didaktische Grundlagen Bewegungsp\u00e4dagogik Band 11, 2015, , S. 237)&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Mit Wissen ist hier nicht das Wissen \u00fcber etwas, \u00fcber materielle Gegenst\u00e4nde oder<br>Zusammenh\u00e4nge gemeint, sondern ein Wissen, aus dem wir einen optimalen Umgang mit<br>Ph\u00e4nomenen und Situationen herstellen. Die Erlebnisse im Umgang mit Ph\u00e4nomenen und<br>Situationen werden zu Erfahrung und bilden die Grundlage f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Umgang mit i hnen.Sie werden zu Verhaltensmustern und Gewohnheiten.&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; <span style=\"font-size: revert; color: initial;\">Wie kann durch Bewegung Erkenntnis f\u00fcr einen optimalen Umgang mit Ph\u00e4nomenen und<\/span><br>Situationen gewonnen werden?<br>Wenn man sich k\u00f6rperlich bewegt, setzt man sich immer mit der Umwelt auseinander. Man erlebt<br>die Welt angesammelt mit Dingen, die man anfassen und f\u00fchlen kann. Die Gegenst\u00e4nde in der Welt<br>geben dem K\u00f6rper durch ihre Beschaffenheit einen Widerstand, wenn man sie ber\u00fchrt: Sie<br>vermitteln einen Eindruck. Diese Eindr\u00fccke nimmt das Individuum mit seinen Sinnen wahr und<br>reagiert darauf. Ein Vorgang, den man bei kleinen Kindern wunderbar beobachten kann: sie<br>krabbeln herum, f\u00fchlen, tasten, lutschen ab, sammeln vielf\u00e4ltige sinnliche Erfahrungen. Sie lernen<br>die Beschaffenheit der Dinge kennen und finden heraus, was ihnen Freude macht und welche<br>Bed\u00fcrfnisse sie haben. Sie stellen z.B. fest, was hei\u00df ist und deswegen nicht ber\u00fchrt werden darf.<br>Sie bekommen Bewegungen und Verhaltensweisen erlaubt oder verboten, ernten Anerkennung oder<br>Missfallen. Dadurch lernen sie kennen, welches Verhalten erwartet wird und wie sie diese<br>Erwartungen mit ihren eigenen W\u00fcnschen und Bed\u00fcrfnissen in Einklang bringen k\u00f6nnen. Sie<br>entwickeln ein Verst\u00e4ndnis davon, welches Verhalten angemessen ist. Diese Erlebnisse und<br>Erkenntnisse speichern sie im Ged\u00e4chtnis und ordnen sie in einen Zusammenhang, der f\u00fcr sie einen<br>Sinn ergibt. Auf diese Weise entwickeln und formen sie ihr gesamtes Wesen, ihren gesamten<br>Organismus und damit ihr Gehirn und ihren K\u00f6rper. Durch die Reaktionen aus der Umgebung,<br>durch die Resonanz auf sein Verhalten und durch die Reaktionen seines Organismus auf die<br>Resonanzerfahrungen entsteht im Individuum ein Bild von sich selbst und davon, wie die Welt<br>beschaffen ist. Und zugleich strukturieren diese Erfahrungen seine Beziehung zwischen sich und<br>der Welt. Ein Prozess, der das ganze Leben lang stattfindet und der sein Leben pr\u00e4gt.<br>F\u00fcr das Erkennen von sich und der Welt spielt die Menge der Bewegungen und die<br>Vielseitigkeit des Bewegungsrepertoires eine gro\u00dfe Rolle. F\u00fcr das Erkennen von sich und der Welt<br>kommt es auch auf die Intensit\u00e4t der Wahrnehmung beim Bewegen an und darauf, in welchem Ma\u00df<br>es dem Individuum gelingt, w\u00e4hrend der Bewegungen sein F\u00fchlen und Reagieren aus der Distanz<br>zu beobachten und danach zu reflektieren. Alle diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle dabei,<br>wie komplex und ausdifferenziert das Bild von sich und der Welt und wie die Beziehung zwischen<br>beiden beschaffen ist.<br>K\u00f6rperliche Bewegung beginnt beim Atmen und beim Essen. Der Mensch verleibt sich die Welt<br>buchst\u00e4blich ein und scheidet sie umgewandelt wieder aus. Dieser Vorgang setzt sich auf geistiger<br>Ebene fort. Hinzu kommen die Bewegungen in der Welt. Als Yoga-\u00dcbende besch\u00e4ftigen wir uns<br>zus\u00e4tzlich mit denjenigen Bewegungen, die in unserem Organismus, in K\u00f6rper und Geist, als<br>Energien wirken. K\u00f6rperliche und geistige Yoga-\u00dcbungen dienen als Werkzeuge, damit diese<br>Energien m\u00f6glichst ungehindert \u00fcberall im K\u00f6rper flie\u00dfen und mit fortgeschrittener \u00dcbungspraxis<br>sogar zielgerichtet gelenkt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber der Mensch bewegt sich nicht als unbeschriebenes Blatt. Die Welt ist dem Leib bereits seit den<br>ersten sinnlichen Erfahrungen des F\u00f6tus im Mutterleib eingeschrieben. Das soziale Umfeld und der<br>kulturelle Rahmen pr\u00e4gen den Organismus, seinen K\u00f6rper mit seinem Gehirn. Die Pr\u00e4gungen<br>hinterlassen Spuren, begrenzen unseren Handlungsspielraum, fordern bestimmte Verhaltensweisen<br>durch gesellschaftliche Normen ein. Zugleich bietet das soziale Umfeld einen Rahmen, innerhalb<br>dessen wir uns entfalten k\u00f6nnen.<br>Mit seinem Handeln und seinem Verhalten wirkt der einzelne Mensch auf die Welt ein und gestaltet<br>sie. Dadurch wird er zu einem Teil der sozialen Welt. Zugleich verlangt die soziale Umwelt die<br>Einhaltung von Regeln und Normen und bietet Modelle f\u00fcr individuelles Handeln an, die sich dem<br>Individuum vom Anfang seiner Existenz an einpr\u00e4gen. Der Soziologe Pierre Bourdieu beschreibt<br>diesen Pr\u00e4gungsprozess als Herausbildung des Habitus. Damit benennt er Strukturen, die als subtile<br>und dauerhaft wirkende Systeme im Individuum eine Empf\u00e4nglichkeit und innere Bereitschaft f\u00fcr<br>bestimmte Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensweisen bilden. (Pierre Bourdieu, Sozialer Sinn, 2015, S. 98 f)<br>Diese individuelle Formung der Wahrnehmung und der Verhaltensweisen ist also kein privater<br>Vorgang. Er findet immer in einer sozial gepr\u00e4gten Welt statt, die ihrerseits als Ordnungsgrundlage,<br>als Habitus, die innere Bereitschaft f\u00fcr bestimmte Wahrnehmungs- und Bewertungsweisen und das<br>darauf aufgebaute Weltbild pr\u00e4gt. Der K\u00f6rper seinerseits bewahrt als \u201epermanente<br>Ged\u00e4chtnisst\u00fctze\u201c die Struktur des Habitus, die Pr\u00e4gungen der sozialen Welt, auf.<br>Durch k\u00f6rperliche Bewegungen erlebt der Mensch die Welt und differenziert dabei seine<br>Sinneswahrnehmungen aus. Erst danach werden die Erlebnisse in Vorstellungen und abstrakte<br>Kategorien gefasst, die anschlie\u00dfend wieder auf seine Wahrnehmung und seine Bewegungsmuster<br>zur\u00fcckwirken.<br>Der g\u00f6ttliche Funke ist in die Materie herabgestiegen und hat seinen g\u00f6ttlichen Ursprung<br>vergessen. Wie kann er seine Heimreise antreten? Wie kann er wieder zu dem werden, was er<br>ist?<br>Er muss die Welt mit seinem Leib durchdringen und sich seiner Pr\u00e4gungen, die seine Geschichte<br>sind, bewusst werden. Er muss sich seiner Verhaltensweisen bewusst werden, die durch die<br>Erlebnisse seines Leibes gepr\u00e4gt sind.Das bedeutet, die subtilen Strukturen des Habitus m\u00fcssen bewusst gemacht werden.<\/p>\n<p>Eine Schl\u00fcsselrolle auf dem Weg heimw\u00e4rts kommt den Mustern zu, in denen sich der einzelne<\/p>\n<p>Mensch bewegt. Die Bewegungsmuster wurden durch die soziale Welt gepr\u00e4gt; in ihnen hat sich die<br>soziale Welt abgebildet, die das Verhalten pr\u00e4gt. Der Weg nach Hause beginnt damit, dass man die<br>eigenen Bewegungen bewusst f\u00fchlt und distanziert wahrnimmt.<br>Dies erm\u00f6glicht, die eigene Geschichte mit ihrer gesellschaftlichen Pr\u00e4gung transparent zu machen.<br>Bewusst erlebte Bewegungen k\u00f6nnen dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, welche Begrenzungen das Individuum<br>verinnerlicht hat und welche ungenutzte andere Verhaltensweisen vorhanden sind.<br>Bewusst erlebte Bewegungen k\u00f6nnen \u201ceinen wesentlichen Beitrag zu der fundamentalen<br>Selbstbestimmung der Subjekte leisten und eine neue Perspektive auf die eigene soziale Praxis<br>er\u00f6ffnen. Wenn Strukturen au diese Weise transparent werden, werden sie gleichzeitig verf\u00fcgbar<br>und ver\u00e4nderbar, und die Subjekte k\u00f6nnen sich in ihren Ausdrucksm\u00f6glichkeiten vervielf\u00e4ltigen und<br>von vorhandenen Zw\u00e4ngen und Verlockungen postmoderner K\u00f6rperm\u00e4rkte emanzipieren\u201c,<br>schreibt Prof. Dr. J\u00f6rg Bietz vom Institut f\u00fcr Sportwissenschaft &amp; Motologie an der Philipps-<br>Universit\u00e4t Marburg. (J\u00f6rg Bietz, Bewegung und Bildung, in: Bietz, Laging, Roscher,&nbsp; Bildungstheoretischen Grundlagen der&nbsp; Bewegungs- und Sportp\u00e4dagogik, 2005, S. 102) \u201eDenn nur dann, wenn die Subjekte ihre eigenen K\u00f6rper- und<br>Bewegungsgeschichten kennenlernen, wenn sie die Vielfalt der kulturellen R\u00e4ume erkunden, in<br>denen sich ihre eigene Stimme und Identit\u00e4t konstituiert, ist die Voraussetzung daf\u00fcr gegeben, die<br>Prozesse der Inkorporierung des Sozialen nicht l\u00e4nger bewusstlos hinzunehmen, sondern die<br>Grenzen der eigenen Kultur, die auch die Grenzen des eigenen Selbst sind, auszuloten, und (\u2026)<br>\u201edie komplexe Beziehung von Selbst- und Fremdbestimmung m\u00fcndig mitzubestimmen\u201c (Meyer-<br>Drawe, 1996, S.57)\u201c , erg\u00e4nzt Thomas Alkemeyer, Professor f\u00fcr Soziologie und Sportsoziologie an<br>der Universit\u00e4t Oldenburg.<br>Dieser Bewusstwerdungsprozess findet zun\u00e4chst unterhalb der kognitiv-verbalen Ebene statt, bevor<br>er begrifflich erfasst werden kann. Die bewusstgemachten Bewegungsgeschichten m\u00fcssen<br>anschlie\u00dfend durch eine distanzierte Betrachtung einer kritischen Pr\u00fcfung unterzogen werden.<br>Diese reflektierende kritische Distanz beginnt bereits dann, wenn ein sinnliches Erleben als<br>sinnliches Erleben gegenw\u00e4rtig wird. Dazu muss eine andere Perspektive, eine Au\u00dfenperspektive,<br>eingenommen werden. Dieses reflexive Abstandnehmen wird in der Sportp\u00e4dagogik als\u201e\u00e4sthetische<br>Erfahrung\u201c bezeichnet. In einer \u00e4sthetischen Erfahrung werden sinnliche Wahrnehmungsprozesse<br>reflektiert.<br>Yoga-\u00dcbende kennen diese Herangehensweise. Mit hoher Achtsamkeit zu sp\u00fcren, was in der Yoga-<br>Praxis geschieht und w\u00e4hrenddessen die distanzierte Haltung des inneren Beobachters<br>einzunehmen, macht eine K\u00f6rperarbeit zur Yoga-Praxis.<br>Diese Herangehensweise, durch die eine \u00dcbung zu einer Yoga-\u00dcbung wird, ist dieselbe, die in der<br>P\u00e4dagogik \u201e\u00e4sthetische Erfahrung\u201c genannt wird und erm\u00f6glicht entscheidende Erkenntnisprozesse.<br>W\u00e4hrend dieses Prozesses werden nicht nur die Bewusstseinsinhalte, sondern auch die gesamte<br>Struktur des Bewusstseins ver\u00e4ndert. Es ver\u00e4ndert sich das k\u00fcnftige Wahrnehmen und Bewegen des<br>Individuums und damit dessen Weltzugang insgesamt.<br>Durch das entsprechende Arrangement von Erlebnisr\u00e4umen w\u00e4hrend des Yoga-Unterrichts, in denen<br>\u00e4sthetische Erfahrungen gesammelt werden k\u00f6nnen, kann es gelingen, diese<br>Bewusstwerdungsprozesse systematisch einzuleiten. Vielseitige Bewegungen, die z.B. alle<br>Bewegungsrichtungen der Wirbels\u00e4ule abdecken, also Vor-, R\u00fcck- und Seitbeugen,<br>Umkehrhaltungen und Drehbewegungen, k\u00f6nnen das Bewegungsrepertoire im t\u00e4glichen Leben<br>erweitern helfen. Auf diese Weise k\u00f6nnten im Yoga-Unterricht neue Zug\u00e4nge zur Welt gefunden<br>und einge\u00fcbt werden.<br>Viel ist bereits \u00fcber die verheerenden Folgen von Bewegungsmangel auf die Gesundheit des<br>Menschen geschrieben worden. Wenig jedoch dar\u00fcber, wie durch Mangel an Bewegung das Erleben<br>und Verstehen der Welt begrenzt wird und einschrumpft.<br>Wie kann man von einem Menschen, der \u00fcberwiegend sitzend und in von der Natur abgeschotteten<br>R\u00e4umen den Tag verbringt, erwarten, dass er z.B. begreift, was das Aussterben von Tieren und<br>Pflanzen, was Artensterben bedeutet?<br>K\u00f6nnte es sein, dass durch vielseitige Bewegung auch in der freien Natur und durch bewusstes<br>Wahrnehmen sowie Reflexion des Erlebten z.B. ein besseres Verst\u00e4ndnis von der Bedeutung des<br>Artensterbens f\u00fcr unser \u00dcberleben entsteht? K\u00f6nnte es sein, dass durch bewusstes Wahrnehmen<br>und Reflexion dar\u00fcber dringend n\u00f6tige Verhaltens\u00e4nderungen erreicht werden? W\u00e4re es m\u00f6glich,<br>dass durch erweiterte leibliche Zug\u00e4nge und die damit verbundenen Erkenntnisprozesse auch ein<br>gr\u00f6\u00dferer gesellschaftlicher Druck auf die politisch Verantwortlichen erzeugt werden kann, damit sie<br>die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so ver\u00e4ndern, dass der zerst\u00f6rerische Umgang mit<br>menschlichem und nicht-menschlichem Leben gestoppt und umgekehrt werden kann?<br>Ulrich Fritsch<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<h1>Artikelreihe: Yoga und Gesellschaft<\/h1>\n<h2>Teil 1: Dem Hass entgegentreten<\/h2>\n<h4><strong>&nbsp;( ver\u00f6ffentlicht im DYF Heft 2\/2024&nbsp; &nbsp;&nbsp;<\/strong><\/h4>\n<h3>Veraltetes Bild von Yoga<\/h3>\n<p>Yoga ist in unserer Gesellschaft angekommen. 2018 gaben 5 % der Befragten in repr\u00e4sentativen Studie an, sie betrieben Yoga. Mittlerweile \u00fcben 20 % der bundesdeutschen Bev\u00f6lkerung Yoga! (Studie des Berufsverbandes der Yogalehrenden in Deutschland\/ BDY: Yoga in Zahlen, 2023)<br>Damit hat unsere Arbeit als Yoga-Lehrende einen enormen Einfluss auf das Geschehen in unserer<br>Gesellschaft.<br>Als ich Anfang der 1980er Jahre begann Yoga zu \u00fcben, galt er in Westdeutschland als etwas<br>Exotisches. Man assoziierte mit Yoga den Kopfstand und Fakire, die auf einem Nagelbrett sa\u00dfen,<br>sowie wei\u00df gewandete Guru-J\u00fcngerInnen, die R\u00e4ucherst\u00e4bchen schwenkend Om sangen.<br>Manchen Bundesdeutschen mag damals auch noch Kareen Zebroff im Ged\u00e4chtnis gewesen sein, die<br>in den 1970er Jahren im Fernsehen \u201eYoga f\u00fcr Jeden\u201c (so lautete auch der Titel ihres Buches)<br>anleitete und dabei verschiedene asanas vorstellte. Einige Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte sie dann das<br>Buch \u201eSch\u00f6n und schlank durch Yoga\u201c.<br>Sch\u00f6n und schlank, R\u00e4ucherst\u00e4bchen und Om pr\u00e4gten fr\u00fcher das Yoga-Bild. Mittlerweile wurde es<br>erweitert um Aspekte wie Entspannung und Selbstoptimierung. Als wesentliche Gr\u00fcnde, warum<br>heute in Deutschland Yoga ge\u00fcbt wird, wurden in der Studie des BDY die Steigerung des<br>k\u00f6rperlichen und geistigen Befindens und der k\u00f6rperlichen und geistigen Leistungsf\u00e4higkeit<br>angegeben.<br>Das ist erfreulich und begr\u00fc\u00dfenswert \u2013 doch was hat das mit Yoga zu tun? Wird Yoga heute bei uns<br>nur als Edelgymnastik wahrgenommen? Wodurch unterscheidet sich Yoga von Gymnastik? Einer<br>meiner hochgesch\u00e4tzten Lehrer erkl\u00e4rte, im Yoga ginge es darum, dass es mir als \u00dcbendem nach<br>dem \u00dcben besser gehen sollte als vorher, dass dann duhkha verringert worden sein sollte.<br>Mit duhkha ist das pers\u00f6nliche Leiden gemeint, das man mit eigener Anstrengung zuk\u00fcnftig<br>vermeiden kann. Im Patanjali Yoga-Sutra 2.16 wird eine ermutigende Vision vorgestellt:<br>zuk\u00fcnftiges Leiden kann vermieden werden! Damit sind Ziel und Sinn der Yoga-Praxis umrissen:<br>wir k\u00f6nnen unsere F\u00e4higkeiten verbessern, die uns helfen, Leid bringende Handlungen im voraus zu<br>erkennen und zu vermeiden. Als Schl\u00fcssel dient eine Kraft in uns, die drastuh genannt und als<br>\u201eSeher\u201c, als das wahrnehmende Prinzip, als die F\u00e4higkeit wahrzunehmen, \u00fcbersetzt wird. Damit<br>siedelt Patanjali die Ursache f\u00fcr menschliches Leid auf der Ebene der Wahrnehmung an. Ich komme<br>im Laufe dieser Artikelreihe noch auf das Thema Wahrnehmung zur\u00fcck.<br>Das Yoga-Konzept Patanjalis ist menschenzentriert: Ich selbst \u2013 und nur ich selbst \u2013 kann etwas an<br>meiner Situation ver\u00e4ndern, indem ich die Ursachen meines Leids in meinen vorangegangenen<br>Handlungen entdecke und bei meinen derzeitigen Handlungen darauf achte, nicht die Ursachen f\u00fcr<br>zuk\u00fcnftiges Leiden zu legen.<br>Doch dieses Konzept ber\u00fccksichtigt nicht das Verwoben-Sein des einzelnen Menschen mit den<br>anderen Menschen. Es unterschl\u00e4gt die Abh\u00e4ngigkeit des Menschen von den nicht-menschlichen<br>Mitlebewesen und der Natur. Ein Individuum, das f\u00fcr sich selbst und aus sich selbst heraus<br>existieren k\u00f6nnte, gibt es nicht. Wir sind eingebettet in unser soziales Umfeld, ohne das wir nicht<br>\u00fcberlebensf\u00e4hig sind. Wir sind verwoben mit der Natur und allen nicht-menschlichen Lebewesen,<br>die zwar ohne uns Menschen, wir aber nicht ohne sie existieren k\u00f6nnen!<br>Es gibt heute eine Form des Leidens, eine Form von duhkha, die unsere Vorfahren nicht kannten:<br>Leid durch die Gefahr des kollektiven Aussterbens der Menschheit aufgrund ihres zerst\u00f6rerischen<br>Verhaltens. Ein Trost: Das Leben geht weiter. Allerdings m\u00f6glicherweise ohne uns Menschen. Und<br>wir, unsere Generation sowie die Generation unserer Eltern, tragen daf\u00fcr die Verantwortung. Unter<br>den heute Lebenden sind es besonders jene Wohlhabenden und jene Reiche, die mit ihrem<br>Ressourcen-verschleudernden Luxusleben die Ursachen f\u00fcr zuk\u00fcnftiges Leiden aller Menschen<br>legen. Die heute benachteiligten und unterdr\u00fcckten Teile der Weltbev\u00f6lkerung, Frauen, Kinder,<br>Farbige und Menschen, die nicht in den reichen Industriel\u00e4ndern leben \u2013 vor allem sie zahlen den<br>Preis f\u00fcr den verantwortungslosen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen, meist ohne selbst<br>Nutznie\u00dfer zu sein; besonders und zu allererst sind sie es, die die Folgen ausbaden m\u00fcssen, deren<br>Ursachen sie nicht durch ihr Verhalten gelegt haben. Dieser Zusammenhang wird nicht in dem<br>Yoga-Konzept Patanjalis abgebildet. Es wird dadurch nicht falsch, ist aber unvollst\u00e4ndig.<br>Es ist an uns, den Yoga f\u00fcr einen Leid-verringernden Umgang mit der Welt nutzbar zu machen.<br>Und im Yoga verf\u00fcgen wir \u00fcber einen Reichtum an Werkzeugen und an Konzepten, die daf\u00fcr<br>geeignet sind.<br>Es gilt, das Potenzial des Yoga herauszuarbeiten, das die Ursachen im Verhalten von uns Menschen<br>f\u00fcr zuk\u00fcnftiges Leiden aller Lebewesen verringert und beseitigt und das die gesellschaftliche<br>Verwobenheit des Menschen ber\u00fccksichtigt. Dazu m\u00f6chte die Artikelreihe \u201eYoga und Gesellschaft\u201c<br>einen Beitrag leisten, Diskussionen provozieren und Ansatzpunkte f\u00fcr ein enkeltaugliches Verhalten<br>aufzeigen.<br>Ich kn\u00fcpfe an Forschungen aus unserer westlichen Kultur und Gesellschaft an und ziehe Ideen und<br>Erkl\u00e4rungsversuche von westlichen Wissenschaftlern heran, da sie zum einen eine Sprache sprechen<br>und auf Gedankengeb\u00e4uden aufbauen, die uns vertraut sind, und die zum anderen zu Erkenntnissen<br>gelangt sind, die uns als Yoga-Unterrichtende aus den geistigen Wurzeln unserer spirituellen<br>Vorfahren aus Indien vertraut sind.<br>Vielleicht gelingt es uns gemeinsam, durch diese Auseinandersetzung ein erweitertes Verst\u00e4ndnis<br>von Yoga und seinen M\u00f6glichkeiten in unserer Gesellschaft zu verankern.Vielleicht bietet diese<br>Auseinandersetzung auch neue Perspektiven f\u00fcr unseren Yoga-Unterricht, die dazu beitragen<br>k\u00f6nnen, angesichts der heutigen schwierigen politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse Mut<br>und Zuversicht zu vermitteln.<br>Die politische Tiefendimension des Yoga m\u00f6chte ich nun am Beispiel des Umgangs mit Hass und<br>Gewalt aufzeigen.<\/p>\n<h3>Dem Hass entgegentreten<\/h3>\n<p>Yoga ist wie kaum ein anderes \u00dcbungskonzept geeignet, Denkweisen entgegenzutreten, die gegen<br>die freie Entfaltung von Menschen gerichtet sind. Denn Freiheit ist das Ziel des Yoga! Freiheit von<br>Leiden, Freiheit von vorgefassten Konzepten, die wir zwischen unsere Wahrnehmung und das<br>Wahrzunehmende schieben, Freiheit von Zuordnungen, die uns oder andere einschr\u00e4nken.<br>Eine Yoga-Praxis kann auf unterschiedlichen Ebenen dem Hass entgegentreten. Das<br>emanzipatorische Potenzial des Yoga kann das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit st\u00e4rken<br>und damit solidarisches Handeln f\u00f6rdern. Die Verfeinerung der Aufmerksamkeit und ein geschultes<br>K\u00f6rpererleben f\u00f6rdern eine differenzierende Wahrnehmung und unterlaufen vorgefasste Konzepte.<br>Vorgefasste Konzepte sind immer ungenau. Hass und Gewalt werden erst durch pauschalisierende<br>Kategorien m\u00f6glich. Dann verschwindet der einzelne Mensch mit seinen Eigenheiten in einem<br>Nebel von Zuordnungen, die ihn entmenschlichen und zu einer Sache herabstufen.<br>\u201eGehasst wird ungenau. Pr\u00e4zise l\u00e4sst sich nicht gut hassen. Mit der Pr\u00e4zision k\u00e4me die Zartheit, das<br>genaue Hinsehen oder Hinh\u00f6ren, mit der Pr\u00e4zision k\u00e4me jene Differenzierung, die die einzelne<br>Person mit all ihren vielf\u00e4ltigen, widerspr\u00fcchlichen Eigenschaften und Neigungen als menschliches<br>Wesen erkennt\u201c2, schreibt die Philosophin Carolin Emcke (Gegen den Hass, Frankfurt 2016, S. 12). Und weiter: \u201eSind die Konturen aber erst einmal abgeschliffen, sind Individuen als Individuen erst einmal unkenntlich gemacht, bleiben nur noch unscharfe Kollektive als Adressen des Hasses \u00fcbrig, wird nach Belieben diffamiert und entwertet, gebr\u00fcllt und getobt: die Juden, die Frauen, die Ungl\u00e4ubigen, die Schwarzen, die Lesben,die Gefl\u00fcchteten, die Muslime oder auch die USA, die Politiker, der Westen, die Polizisten, die Medien, die Intellektuellen. Der Hass richtet sich das Objekt des Hasses zurecht.\u201c<br>Hass braucht einen Boden, in dem seine Saat aufgehen kann. Hass braucht vorgepr\u00e4gte Muster, in<br>die er sich aussch\u00fcttet, vorgeformte Begriffe, in denen gedem\u00fctigt, Assoziationsketten und Bilder,<br>in denen gedacht und sortiert wird. Die Raster der Wahrnehmung m\u00fcssen bereits vorgeformt sein, i<br>denen dann kategorisiert und abgeurteilt werden kann. Sich der eigenen Raster bewusst zu werden<br>ist ein wichtiges Ziel des Yoga. Sich genau zu beobachten, sich genau zu sp\u00fcren, seine Mitwelt<br>differenziert wahrzunehmen, die eigenen Kategorien kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen, sind Ziele im Yoga und<br>Mittel zur Freiheit. Es sind dieselben Mittel, mit denen dem Hass begegnet werden kann: \u201eDem<br>Hass begegnen l\u00e4sst sich nur durch das, was dem Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht<br>nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel\u201c, schreibt Emcke (S.18).<br>Doch es geht nicht nur darum, sich selbst wahrzunehmen. Im Yoga geht es darum, einen<br>Perspektivwechsel vorzunehmen, nicht mehr selbst im Mittelpunkt zu stehen, sondern seine<br>Verwobenheit in die Mitwelt zu erkennen. Dazu ben\u00f6tigen wir eine innere Haltung, in der wir<br>feinf\u00fchlig sp\u00fcren und zugleich distanziert beobachten. \u201eDie fehlende Distanz zwischen dem, was<br>wahrnimmt und dem, was wahrgenommen wird, f\u00fchrt zu Leid\u201c, finden wir in Patanjalis Yoga-Sutra<br>2.17. Wenn wir in unserer Yoga-Praxis unser K\u00f6rpergef\u00fchl verfeinern und zugleich ein\u00fcben,<br>distanziert und differenziert wahrzunehmen, bevor unser Verstand beurteilt, dann bilden wir<br>Kernkompetenzen aus, die unabdingbar sind, um Hass und jedweder Form von Gewalt und<br>Zerst\u00f6rung entgegenzutreten. Wenn ich mich in einen anderen Menschen einf\u00fchle, erlebe ich seine<br>Vielseitigkeit. Dann kann ich die Form aus vorgefasster Meinung, die ich mir \u00fcber diesen Menschen<br>gemacht habe, zerbrechen und aufl\u00f6sen. Vielleicht besteht die wichtigste Erfahrung darin zu sp\u00fcren,<br>wie ich als Individuum mit allen anderen Lebewesen in einem Netz von Beziehungen verwoben<br>bin. Dann wird Einf\u00fchlen m\u00f6glich.<br>Als Yoga-Lehrende verf\u00fcgen wir \u00fcber einen reichhaltigen Werkzeugkoffer mit \u00dcbungen, um die<br>Verwobenheit erlebbar, f\u00fchlbar zu machen. Wir k\u00f6nnen das Netz der Beziehungen, mit dem wir in<br>unsere Mitwelt eingewoben sind, erfahren, zum Beispiel beim Atmen, zum Beispiel bei der<br>Nahrungsaufnahme und -ausscheidung, zum Beispiel beim Sp\u00fcren unserer K\u00f6rperreaktionen<br>w\u00e4hrend unserer K\u00f6rper\u00fcbungen. Mit einer systematischen und angemessenen \u00dcbungspraxis<br>k\u00f6nnen wir unsere Wahrnehmung verfeinern und diese F\u00e4higkeit in jeder Alltagssituation nutzen.<br>Wenn ich die Wahrnehmung gegen\u00fcber dem Eingebunden-Sein in die Mitwelt ein\u00fcbe und<br>verfeinere, dann r\u00fcckt der Andere, mit dem ich verbunden bin, in den Blick. Ebenso kann das<br>andere, nicht menschliche Lebewesen aus dem Tier- und Pflanzenreich in den Fokus meiner<br>Aufmerksamkeit geraten. Dann kann ich dieses Lebewesen sehen, erkennen und anerkennen. Hass<br>und andere Formen der Zerst\u00f6rung setzen oft das Verkennen des Anderen voraus.<\/p>\n<p>\u201eDie F\u00e4higkeit des Menschen, anderen Verletzungen zuzuf\u00fcgen, ist gerade deshalb so gro\u00df\u201c, hei\u00dft<br>es bei Elaine Scarry, \u201eweil unsere F\u00e4higkeit, uns ein angemessenes Bild von ihnen zu machen, sehr<br>klein ist.\u201c(Emcke, S.64) Je enger und starrer meine vorgefassten Kategorien sind, durch die hindurch ich wahrnehme, desto kleiner wird mein Vorstellungsverm\u00f6gen. \u201eWer sich nicht mehr vorstellen kann, wie einzigartig jede einzelne Muslima, jeder Migrant, wie singul\u00e4r jede Transperson oder jeder<br>einzelne schwarze Mensch ist, wer sich nicht vorstellen kann, wie \u00e4hnlich sie in ihrer<br>grunds\u00e4tzlichen Suche nach Gl\u00fcck und W\u00fcrde sind, erkennt auch nicht ihre Verletzbarkeit als<br>menschliche Wesen, sondern sieht nur das, was schon als Bild vorgefertigt ist. Und dieses Bild,<br>diese Erz\u00e4hlung liefert \u201aGr\u00fcnde\u2018, warum eine Verletzung von Muslimen (oder Juden oder<br>Feministinnen oder Intellektuellen oder Roma) zu rechtfertigen sei\u201c, kommentiert Emcke ihr Zitat<br>von Scarry.<br>Um sich etwas vorstellen zu k\u00f6nnen, muss man zuh\u00f6ren, wenn diejenigen, die von der<br>\u201egesellschaftlichen Norm\u201c abweichen, erz\u00e4hlen, wie es sich anf\u00fchlt, ausgegrenzt und missachtet zu<br>werden. Und wie oft haben auch Yoga-\u00dcbende das Unverst\u00e4ndnis ihrer Mitmenschen erlebt,<br>besonders am Anfang ihrer Yoga-Praxis. Wie viele Ehen und Beziehungen sind zerbrochen, weil<br>einer der Partner den Entwicklungsweg des anderen Partners nicht verstanden und nicht geteilt hat!<br>Zuh\u00f6ren und Hineinversetzen \u2013 aber auch Erz\u00e4hlen ist n\u00f6tig. Erz\u00e4hlen von den verschiedenen<br>M\u00f6glichkeiten des Gl\u00fccklichwerdens und des wirklich freien Lebens, Geschichten vom gelungenen<br>von der Norm abweichenden Leben und Lieben! Mit solchen Erz\u00e4hlungen erobern wir uns die<br>R\u00e4ume der Phantasie zur\u00fcck. Und welche Vorstellung ist m\u00e4chtiger als die Beispiele gelungenen<br>Lebens. Das dharma megha samadhih in Patanjalis Yoga-Sutra 4.29 weist auf die<br>gl\u00fcckverhei\u00dfenden M\u00f6glichkeiten des Yoga hin. \u00d6ffnen wir in unserem Yoga-Unterricht den Raum<br>f\u00fcr solche Erz\u00e4hlungen, nutzen wir das Zusammensein zum Austausch unserer Erfahrungen, unserer<br>Schwierigkeiten und Erfolgserlebnisse! Erleben wir unsere gemeinsame Zugeh\u00f6rigkeit zum<br>universellen Wir als Menschen und zugleich unsere Einzigartigkeit als unverwechselbare<br>Individuen. In jedem asana, bei jedem Bewegungsablauf wird dies deutlich, bei jedem Umgang mit<br>neuen Herausforderungen, die wir in unserem Yoga-Unterricht f\u00fcr unsere Teilnehmenden kreieren.<br>Durch das \u00d6ffnen eines gemeinsamen Raumes und das Ein\u00fcben der emanzipatorischen<br>Kompetenzen w\u00fcrde der Yoga-Unterricht und die Yoga-Praxis zu einem Teil des zivilen<br>Widerstandes gegen Hass und Gewalt.<br>Ulrich Fritsch<br>Literatur:<br>Emcke,Cornelia: Gegen den Hass. Frankfurt, Fischer-Verlag 2016<\/p>\n<\/li>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/GemeinwohlYogaArtikelForumSelbststeuerung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;GemeinwohlYoga und Selbststeuerung &#8211; Die Grundlagen der Freiheit&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht im DYF 6\/2017)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/GemeinwohlYoga_in_Stichworten_Hochsensibilit\u00e4t.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>GemeinwohlYoga: Hochsensibilit\u00e4t &#8211; Meine Kreativit\u00e4t bringt die Welt wieder etwas ins Gleichgewicht<\/strong><\/a><strong><br><\/strong>(ver\u00f6ffentlicht im DYF Heft 1\/2017)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Ein \u201agem\u00fctliches\u2018 Beisammensein, die Servietten ordentlich gefaltet. Blo\u00df kein Fleck auf die Tischdecke! Im Hintergrund schreit die Musik. Der Stress des Kellners hinter dir l\u00e4sst auch Deinen Atem stocken. Du sp\u00fcrst seine Anspannung, als w\u00e4re es deine eigene. \u00dcberall wabern Gespr\u00e4chsfetzen und Ger\u00fcche durch die Luft: Hier das aufdringliche Parf\u00fcm, dort das Lamentieren \u00fcber den verpatzten Urlaub \u2013 nehmen die anderen auch die Unzufriedenheit und die Sehnsucht wahr, die in all den Worten mitschwingt? Du sp\u00fcrst die Hilflosigkeit und die Sehnsucht nach Liebe bei jedem Menschen in dieser Runde.Die Gespr\u00e4che werden lauter, damit das Gegen\u00fcber, auch redend, einen h\u00f6ren kann. Stress! Ohrenbet\u00e4ubendes Brausen in deinem Kopf. Deine H\u00e4nde sind kalt und schwitzen. Alles st\u00fcrmt auf dich ein. Du kannst keine klaren Gedanken mehr fassen. Deine Zellen schreien nach RUHE!Ein Ufo landet, und du steigst ein. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/GemeinwohlYoga_in_Stichworten_Hochsensibilit\u00e4t.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/GemeinwohlYogaGrundlagen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Grundlagen des GemeinwohlYoga&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht in der Dokumentation zum &#8218;Jubil\u00e4umskongress 50 Jahre BDY&#8216; 2017)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/PraeventionsgesetzDYF2016.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Pr\u00e4ventionsgesetz und ZPP &#8211; notwendiges \u00dcbel oder grosse Chance?&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht im DYF 1\/2016)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Gemeinwohloekonomie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Gemeinwohl\u00f6konomie &#8211; ein Aufruf zur Zusammenarbeit im Yoga-Bereich&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht im DYF 6\/2014)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Ein Verhalten, das sich am Wohl aller Menschen und der Natur orientieren m\u00f6chte, findet heute wertvolle Anregungen bei einem Modell, das &#8218;Gemeinwohl\u00f6konomie&#8216; genannt wird. Hier findet man zahlreiche konkrete Hilfestellungen, wie ein am Gemeinwohl orientiertes Handeln konkret im Alltag und im Rahmen des eigenen unternehmerischen Verhaltens aussehen kann. In meinem Artikel &#8218;Gemeinwohl\u00f6konomie als Beitrag gelebter Spiritualit\u00e4t&#8216; habe ich Eckpunkte dieses alternativen Wirtschaftsmodels vorgestellt und sie in Beziehung zu meinem Yoga-Unternehmen gesetzt (1). Gemeinwohl\u00f6konomie ist <b>ein Beitrag f\u00fcr eine nachhaltige demokratische Gesellschaft<\/b> und eine gro\u00dfe Chance zur Bew\u00e4ltigung von Herausforderungen im Yoga-Bereich. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Gemeinwohloekonomie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li>&#8222;Meine Gemeinwohl-Bilanz 2014&#8220;<br><strong>&#8222;<a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GemeinwohloekonomieSpiritualitaet.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gemeinwohl\u00f6konomie als Beitrag gelebter Spiritualit\u00e4t<\/a>&#8222;<\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht im DYF 5\/2014)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Immer mehr Menschen wird klar, dass die Art, wie wir leben und wirtschaften, unsere gesamte Existenz gef\u00e4hrdet. Sie (ver-)zweifeln an ihrer Arbeit, die ihnen zunehmend sinnlos und sogar sch\u00e4dlich erscheint und sie au\u00dferdem durch Stress und \u00dcberlastung an den Rand des Zusammenbruchs f\u00fchrt. Auf der Suche nach Ver\u00e4nderung entdecken sie gesellschaftliche Alternativen. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GemeinwohloekonomieSpiritualitaet.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/yogaKreativ.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Vortrag: Yoga und Kreativit\u00e4t&#8220;<\/a><\/strong><br>(gehalten am 24. August 2011 zur Ausstellunger\u00f6ffnung &#8211; Bilder der F\u00fclle &#8211; von Martha Fritsch aus Wetzlar)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Kreativit\u00e4t bedeutet, Dinge aus ihrem gewohnten Zusammenhang herauszunehmen und neu zuzuordnen, sie von einer anderen Perspektive zu betrachten neu zu bewerten, oder sie mit neuen Faktoren zu verkn\u00fcpfen.<br>In unserem k\u00fcnstlerischen Schaffen bezeichnet Kreativit\u00e4t den Prozess, innere Vorg\u00e4nge, Gef\u00fchle oder Ideen darzustellen. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/yogaKreativ.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/zeitreise.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Rede: Zeitreise Lich im Jahre 2020&#8220;<\/a><\/strong><br>(gehalten am 5. M\u00e4rz 2009 auf der Pr\u00e4vsentationsveranstaltung der Stadt Lich)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Die nachfolgende Rede wurde am 5.3.2009 auf der Pr\u00e4sentationsveranstaltung der Stadt Lich zum Thema \u201aLeitbild f\u00fcr die Stadt Lich im Jahre 2020\u2019 gehalten [&#8230;] <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/zeitreise.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/sinn.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Durch Sinnlichkeit zum Sinn&#8220;<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Die Sinne stellen unsere Tore zur \u00e4u\u00dferen Welt dar. Mit ihrer Hilfe werden wir zu sozialen Wesen, die mit der Au\u00dfenwelt kommunizieren k\u00f6nnen. In dem Ma\u00dfe, wie wir unsere Sinne kultivieren, k\u00f6nnen wir den Reichtum des Lebens erfahren. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/sinn.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/ernaehrung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Yoga, Ern\u00e4hrung und Psyche&#8220;<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Viele Menschen verstehen unter Yoga lediglich \u00dcbungen zur Entspannung oder k\u00f6rperlichen Fitness. Sogar unter Yogalehrende ist die Auffassung h\u00e4ufig anzutreffen, Yoga zu \u00fcben w\u00fcrde bedeuten, asanas einzunehmen und Atem\u00fcbungen auszuf\u00fchren. Zu einer \u00dcbung des Yoga wird eine \u00dcbungspraxis aber durch etwas ganz anderes. Nicht das m\u00f6glichst perfekte Nachmachen einer Haltung oder eines Bewegungsablaufes f\u00fchrt zum Yoga, sondern die Achtsamkeit, mit der man sie ausf\u00fchrt und die man im Alltagsleben beizubehalten versucht. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/ernaehrung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/samadhi.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Das gro\u00dfe Samadhi&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht in Deutsches Yoga-Forum 5\/06)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Sam\u00e2dhi ist das letzte der acht Glieder im Yoga-\u00dcbungsweg. Pata\u00f4jali beschreibt damit einerseits das Resultat einer gelungenen Meditation, wenn man den Gegenstand einer Meditation mit Herz und Verstand begriffen hat. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/samadhi.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/dhyana.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Dhyana &#8211; Die Illusion des Ich&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht in Deutsches Yoga-Forum 4\/06)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Mit dhy\u00e2na befinden wir uns im Zentrum der Themen im Yoga, es geht ans Eingemachte. Hier findet der eigentliche Kl\u00e4rungsprozess statt. Mit dhy\u00e2na bezeichnet Pata\u00f4jali den eigentlichen Prozess des Meditierens, der mit dh\u00e2ra\u00f2\u00e2 begonnen hat, dhy\u00e2na umfasst und in sam\u00e2dhi seinen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt findet, bevor dann das Erkannte in den Alltag als ver\u00e4ndertes Verhalten integriert werden muss. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/dhyana.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/dharana.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Dharana &#8211; In Distanz zur Welt&#8220;<\/a><\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht Deutsches Yoga-Forum 3\/06)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Dh\u00e2ran\u00e2 ist ein \u00dcbergangszustand: nicht mehr Alltagsbewusstsein und noch nicht Zustand der Meditation. Der innere Beobachter schafft Distanz, bevor die erlebende Person in einer sp\u00e4teren Phase mit dem Erlebten verschmilzt. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/dharana.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong>&#8222;Pratyahara &#8211; Die Br\u00fccke nach innen&#8220; (folgt)<\/strong><br>(ver\u00f6ffentlicht in Deutsches Yoga-Forum 2\/06)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/atmen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Das soziale Atmen&#8220;<\/a><\/strong><br>(Artikel zu Atmen und Gesellschaft, ver\u00f6ffentlicht in Deutsches Yoga-Forum 1\/06)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Atmen ist ein sehr pers\u00f6nlicher Vorgang, aber auch ein gesellschaftliches, von der Situation abh\u00e4ngiges Geschehen. Denn Atmen ist Kommunizieren. Atmen, F\u00fchlen, Denken und k\u00f6rperliches Verhalten sind direkt und untrennbar miteinander verbunden. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/atmen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/nidra.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Yoga-Nidra: Der Schlaf des Yogin&#8220;<\/a><\/strong><br>(Artikel zum Tastsinn, Deutsches Yoga-Forum 5\/05)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Yoga-Nidra entstammt dem System des Satyananda Yoga. Svami Satyananda (geb. 1923), ein Sch\u00fcler Svami Sivanandas Sarasvatis aus Rishikesh, entwickelte auf der Basis des Vedanta, alter yogischer Techniken und vor allem tantrischer Lehrtexte yogische \u00dcbungsformen, die f\u00fcr den heutigen Menschen zug\u00e4nglich sind. Die charakteristischste \u00dcbungsform ist Yoga-Nidra. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/nidra.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/koerperarbeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Yoga und K\u00f6rperarbeit&#8220;<\/a><\/strong><br>(Leitartikel zu asana, Deutsches Yoga-Forum 4\/05)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Der Einsatz des K\u00f6rpers mit dem Ziel, auf den menschlichen Geist einzuwirken, begleitet die evolution\u00e4re menschliche Entwicklung seit den Anf\u00e4ngen der Menschheitsgeschichte. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/koerperarbeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/niyama.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Die niyamas &#8211; Wegweiser durch den Entwicklungsprozess&#8220;<\/a><\/strong><br>(Leitartikel zu niyama, Deutsches Yoga-Forum 3\/05)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Nachfolgend m\u00f6chte ich auf Unterschiede zwischen den yamas und niyamas eingehen und die Besonderheiten der niyamas hervorheben. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/niyama.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/leidVermieden.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Zuk\u00fcnftiges Leid kann vermieden werden!&#8220;<\/a> (YS 2.16)&#8220;<\/strong><br>(Leitartikel zu yama, Deutsches Yoga-Forum 2\/05)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Das ist die gro\u00dfe Hoffnung, die der Yoga f\u00fcr uns bereit h\u00e4lt: wir k\u00f6nnen frei werden von Leid, wir sind geboren, um gl\u00fccklich zu sein, um ein Leben in Freiheit und W\u00fcrde zu f\u00fchren. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/leidVermieden.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/berufYogalehrer.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Beruf Yogalehrer&#8220;<\/a><\/strong><br>(Giessener Allgemeine Zeitung 17.8.2002)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Die Freude, anderen helfen zu k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/berufYogalehrer.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/yoga-VierSchritteGlueck.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Yoga &#8211; Vier Schritte auf dem Weg zum Gl\u00fcck&#8220;<\/a><\/strong><br>(Der Naturarzt 5\/2001)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Es gibt viele Gr\u00fcnde, um Yoga zu \u00fcben. K\u00f6rperliche Fitne\u00df, Entspannung, Stre\u00dfabbau oder R\u00fcckenschmerzen sind nur einige davon. Dabei beinhaltet Yoga mehr als nur ein paar K\u00f6rper\u00fcbungen oder eine Entspannungstechnik. Dahinter verbirgt sich eine jahrtausende alte Tradition, die dem einzelnen helfen kann, mit sich und seiner Umwelt ins Reine zu kommen und Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/yoga-VierSchritteGlueck.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/neueGesundheitsberufe.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Neue Gesundheitsberufe &#8211; eine akademische Konkurrenz f\u00fcr Yoga?<\/a>&#8222;<\/strong><br>(Deutsches Yoga-Forum 3\/2001)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Yoga als Angebot der Pr\u00e4vention wird wieder durch die Krankenkassen (GKV) bezuschusst. Doch in die erste Freude dar\u00fcber hat sich ein Unbehagen eingemischt, das sich zun\u00e4chst an den Qualifizierungsanforderungen der GKV festgemacht hat. So verlangen viele Krankenkassen neben einer berufsspezifischen Ausbildung ein akademisches Studium (siehe DYF2\/2001). Ulrich Fritsch, BDY-Vorstand f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, informiert \u00fcber die neuesten Entwicklungen. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/neueGesundheitsberufe.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Qualitaetsmanagement.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Qualit\u00e4tsmanagement: Krankenkassen setzen neue Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Pr\u00e4ventionskurse&#8220;<\/a><\/strong><br>(Deutsches Yoga-Forum 2\/2001)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Mit der Gesundheitsreform 2000 beauftragte der Gesetzgeber die Spitzenverb\u00e4nde der Krankenkassen, in einem Leitfaden einheitliche Handlungsfelder und Kriterien zur Umsetzung der Pr\u00e4vention zu erstellen. Damit ist Pr\u00e4vention im Gesundheitsbereich wieder m\u00f6glich (s. DYF 1\/2000, DYF 1\/2001), allerdings unterstark ver\u00e4nderten Bedingungen. Aktivit\u00e4ten der Krankenkassen m\u00fcssen nunmehr strengen Prinzipien der Wirtschaftlichkeit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit gen\u00fcgen und \u201einsbesondere einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen erbringen&#8220; (\u00a7 20 Abs. 1 SGB V). Au\u00dferdem werden an die Kursleiterinnen hohe Qualifikationsanforderungen gestellt. Ulrich Fritsch, BDY-Vorstand f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, informiert \u00fcber die ver\u00e4nderten Anforderungen an Kursleiterinnen <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Qualitaetsmanagement.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/YogaMusik.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Yoga und Musik&#8220;<\/a><\/strong><br>(Deutsches Yoga-Forum 2\/2000)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>\u201eDer Mensch m\u00f6chte, wenigstens von Zeit zu Zeit, \u00fcber sich hinauskommen&#8220;, schreibt der holl\u00e4ndische Religionswissenschaftler van Baaren und z\u00e4hlt einige der wichtigsten und wirkungsvollsten Mittel dazu auf: bewusstseinsver\u00e4ndernde Pflanzen, Fasten und Selbstkasteiung, konzentriertes Starren auf einen Punkt, eint\u00f6nige oder erregende Musik, Tanz. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/YogaMusik.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/YogaBedeutungGesellschaft.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Yoga-Bedeutung f\u00fcr die Gesellschaft&#8220;<\/a><\/strong><br>(Deutsches Yoga-Forum 5\/1999)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Was hat Yoga mit Politik zu tun? \u201eGar nichts!&#8220; will die erste Antwort lauten. Doch dies ist ein Irrtum. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/YogaBedeutungGesellschaft.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/UtopieYogalehrendeRegierung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Eine Utopie: Yogalehrende in der Regierung&#8220;<\/a><\/strong><br>(Deutsches Yoga-Forum 3\/1999)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Berlin, 23.4.2005 (dpa): \u201eDie neugew\u00e4hlte Bundesregierung hat in jeden Ausschu\u00df eine Yogalehrerin berufen, die der geplanten Neuorientierung in der Friedens- und Sozialpolitik die n\u00f6tige Tiefgr\u00fcndigkeit verschaffen soll. Damit sollen neue Konzepte gegen die weitere Eskalation im Balkankrieg umgesetzt werden. Federf\u00fchrend bei der Planung und Durchf\u00fchrung dieses neuen friedenspolitischen Ansatzes ist Marlies P., die viele Jahre lang Vorstand f\u00fcr \u00d6ffentlichkeit im Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland war. Unser Redakteur Peter N. sprach mit ihr.&#8220; <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/UtopieYogalehrendeRegierung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GongKlangschalenYogaunterricht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Der Einsatz von Gong und Klangschalen im Yogaunterricht&#8220;<\/a><\/strong><br>(Begleitmaterial zu meinem workshop auf dem Yoga-Kongress des BDY 1998)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Am Anfang war der Ton, der Klang, berichten viele Sch\u00f6pfungsmythen. Und dieser Urklang ist in allem enthalten. Seit fr\u00fchesten Zeiten nutzen Menschen den Klang in Form von Gesang, Trommeln und vielen anderen Instrumenten, um mit der Quelle der Sch\u00f6pfung und des Seins in Verbindung zu treten. Dass Metallgegenst\u00e4nde zur Erzeugung von Kl\u00e4ngen benutzt wurden,, l\u00e4sst sich bereits um 1100 v.Chr. in China nachweisen. Dort wurden kleine Metallschalen in Form von Sch\u00e4deldecken gefunden. \u00dcber Klangschalen wie wir sie heute vor allem aus Tibet kennen, ist nur sehr wenig bekannt \u2013 ich verweise hier auf Eva Rudy Jansens Nachforschungen. <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/GongKlangschalenYogaunterricht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/yogaArbeitsweltHumanisieren.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Kann Yoga helfen die Arbeitswelt zu humanisieren?&#8220;<\/a><\/strong><br>(Deutsches Yoga-Forum 3\/1997)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Eine Gespr\u00e4chsrunde <a href=\"http:\/\/gemeinwohlyoga.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/yogaArbeitsweltHumanisieren.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr &#8230;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikelreihe: Yoga und Gesellschaft Teil 7: Was tun? &nbsp; (ver\u00f6ffentlicht in DYF Heft 3\/2025) Yoga und gesellschaftspolitisches Engagement scheinen sich zu widersprechen. 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